Simon Halfmeyer

Gewachsenes und Gebautes, Abschlussausstellung des 9. Stipendiaten des "Stipendiums Junge Kunst in Essen" 
Ein Rotary Projekt im Kunsthaus Essen, 04 .05. - 03. 06. 2007

 

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Simon Halfmeyer (geb. 1974) ist der neunte Stipendiat des Rotary-Stipendiums „Junge Kunst in Essen“. Die siebenköpfige Jury, bestehend aus Prof. Dr. Jean-Christophe Ammann, Prof. Dr. Stephan Berg, Udo Kittelmann, Dr. Britta Schmitz, Prof. Thomas Wagner, Dr. Mario Andreas von Lüttichau und Philipp Morlock, wählte den Berliner Zeichner und Bildhauer aus insgesamt 54 Einsendungen.

Simon Halfmeyers künstlerisches Interesse gilt der Thematisierung des Verhältnisses von „unberührter“ Natur und konstruierten, künstlich angelegten Naturlandschaften. Aus dem Bewußtsein heraus, daß „es uns gar nicht möglich ist, so genannte unberührte Natur überhaupt als solche zu erkennen, da wir in Inszenierungen aufwachsen“ und von ihnen ständig umgeben sind, entwirft der Künstler fantastisch schwebende, transparente Alternativ-Landschaften, die sich aus alltäglichen Naturinszenierungen und erlebten Stadträumen zusammenfügen. Seine grafisch konstruierten Wandbilder erschaffen fiktive Landschaften, die auf klassischen Kompositionsprinzipen wie Perspektive und Proportion beruhen. Ausgesprochen erfindungsreich spielt der Künstler dabei mit verschiedenen Wahrnehmungsebenen. So werden einzelne Motive in unverhältnismäßiger Nahsicht gezeigt und damit aus dem architektonisch konstruierten Liniengerüst herausgezoomt, während andere von abstrakten Linien überschnitten und damit in einen kristallin gestalteten Gesamtzusammenhang eingeglieder werden.
Halfmeyers Bildmotive stammen größtenteils aus Gewächshäusern, Orangerien, naturhistorischen Museen und Shopping Malls, deren charakteristische zellenförmige Glasbauweise in den Zeichnungen einen entsprechenden Widerhall finden. Die damit erreichte Durchdringung von Außen- und Innenansicht hinterläßt beim Betrachter ein bestimmendes Gefühl der Schwerelosigkeit.

Simon Halfmeyers Auseinandersetzung mit inszenierter Künstlichkeit findet auch mit seinen skulpturalen Arbeiten zu einem prägnanten künstlerischen Ausdruck. Seine aus Holz gefertigte, mit „Ich war noch nie in Herrenhausen“ betitelte „Hecke“ orientiert sich in Größe und Anlehnung an der barocken Gartenkultur. Wie bei einer gewachsenen Hecke hat der Betrachter auch hier die Gelegenheit, in und gleichzeitig durch die Hecke zu sehen und sich damit optisch auf das künstlerisch initiierte Wechselspiel zwischen Sichtbarem und Verborgenem einzulassen.

Uwe Schramm

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Fotos: Ingrid Weidig

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