On a clear Day?

Arbeiten im Raum
Christiane Rasch (Köln), Matthias Stuchtey (Berlin), Elma Riza (Berlin)
29.1. - 5.3.2017 | Eröffnung am Sonntag, 29.1.2017, 16 Uhr | Einführung Dr. Uwe Schramm

Einfachheit ist ein Zustand, der sich dadurch auszeichnet, dass nur wenige Faktoren zu seinem Entstehen oder Bestehen beitragen. Das Zusammenspiel dieser Faktoren kann häufig durch nur wenige Regeln beschrieben und visualisiert werden. Dann wird "Einfachheit" zum Synonym für Minimalismus, Klarheit oder Simplizität ("Weniger ist mehr").
Einfachheit gilt als erstrebenswert, wenn mit wenigen Mitteln möglichst viel erreicht werden kann und taugt mittlerweile als trendiger Slogan ("simplify your life") für selbst ernannte Selbstmanagement-Gurus, die die vom Alltag überforderte Wohlstandsgesellschaft zur Ent-rümpelung, Ent-schleuni-gung und Ent-spannung aufrufen, um damit den Weg vom Äußerlichen zum Inneren, dem wahren und guten Selbst zu finden. "Echte Einfachheit" meinte für Steve Jobs, den Apple-Mastermind, eine effiziente und produktgerechte Gestaltung des gesamten Firmenimperiums, vom Managementstil über das Design bis hin zur Werbung. Alles sollte auf echte Einfachheit hin zugeschnitten sein, ohne Schnörkel und Täuschungsmanöver, um ein bestimmtes Image zu kreieren. Das optische Erscheinungsbild eines technischen Produktes, das bereits durch seine Verpackung und äußere Hülle auf seine inneren - technischen - Qualitäten hindeutet. Die Reduktion auf wenige wesentliche Strukturen und Elemente als notwendige Strategie zur Visualisierung innerer Komplexität.
Einfachheit, verstanden als übergreifende Gestaltungsregel, erfordert in der Umsetzung ein Höchstmaß an Konzentration und Besinnung auf das Wesentliche, auf nur wenige Elemente, die in ihrer Kombination das Bewusstsein fokussieren und Anschauungsmodelle für komplexe Sachverhalte liefern. Der damit verfolgte Minimalismus verinnerlicht schließlich das Streben nach der Essenz der Dinge, nicht nach deren Aussehen.
Die Ausstellung "On a clear Day?" visualisiert minimalistische künstlerische Vorgehensweisen in Bezug auf Konzepte, Materialien und Entscheidungen. Gezeigt werden unterschiedliche skulpturale Zugangsformen unter dem Aspekt der Einfachheit: Einfaches Material, das die Vorstellungskraft entzündet, eine einfache Handlung, eine simple Umsetzung oder ein einfaches Konzept, eine vermeintlich einfache Bedeutung, die sich an bestimmte Materialien, ihre Herkunft, Erscheinung und ihr Zusammenwirken knüpft.
Die Ausstellung verbindet dabei drei künstlerische Postionen, deren Spannweite von klassischem bildhauerischen Zugang und der Benutzung einfacher Materialien über ortsbezogene Interventionen bis hin zu perfomativ-installativen Eingriffen und dem Körper im Raum reicht.
Die Ausstellung setzt bewusst Akzente auf formal reduzierte Spielarten der gegenwärtigen Kunst. Sie versucht, die besondere Poesie und Assoziationskraft künstlerischer Ansätze herauszuarbeiten, die sich gegen den Trend des Lauten, der bewussten Übertreibung und Provokation und der gesellschaftskritischen Betroffenheit positionieren. Die ausgestellten Werke lenken die Aufmerksamkeit auf die Präsenz der Materialien im Raum. Zugleich thematisieren sie den künstlerischen Entstehungs- und Gestaltwerdungsprozess, der in allen Phasen sichtbar ist und für den Betrachter stets nachvollziehbar bleibt. Dabei scheint nichts für die Ewigkeit bestimmt. Vielmehr atmen die Arbeiten eine Ästhetik der Auflösung und beinhalten im Kern das Potenzial des Veränderlichen, des Vergehens und sich neu Bildens.
Die Ausstellung sucht die Stille der direkten Konfrontation zwischen Kunstwerk, Raum und Betrachter. Inszeniert wird dabei die Aufrichtigkeit der Materialien und des damit umgesetzten künstlerischen Entwurfs einer Weltanschauung, die sich aufmacht, sich inmitten dynamischer, unkontrollierbarer und gehetzter Alltagswirklichkeiten auf das Wesentliche zu besinnen.

2017 Rasch clear day

Christiane Rasch

Geb. 1971, hat an der Kunstakademie Düsseldorf studiert.
Ihre Skulpturen und raumbezogenen Arbeiten bestehen häufig aus verschiedenen Materialkombinationen und unterschiedlichen Oberflächen. Sie verwendet dabei in der Regel einfache Materialien, die z.B. auch auf Baustellen zum Einsatz kommen wie Holzplatten, Styropor oder Folie.
Oft werden in die eher minimalistischen Flächen und Formen alte Fundstücke eingearbeitet, die durch feine Eingriffe mit Blattmetall oder Farbe verändert werden.
Die Maße einer Arbeit legt sie im Verhältnis zu der eigenen Körpergröße und Augenhöhe fest.
Ihre Skulpturen und ortsbezogenen Installationen leben durch die unterschiedlichen Materialien und der genauen Wahl von Proportionen und Farbgebungen.
Parallel dazu arbeitet sie fotografisch mit s/w Fotoskizzen. Außerdem kombiniert sie erzählerische Fotos mit Skulpturen und Installationen.

2017 Stuchtey clear day

Matthias Stuchtey

Zwischen Innenraum, Außenraum und Umraum
Manchmal sehnt man sich nach Kunst, die nicht so laut und aufdringlich ist, nach etwas, das einen nicht mit seiner aufgepumpten Zeitgeistartistik bedrängt, die aus jeder Leinwand-Ecke heraustropft wie der Schaum aus dem Giftsee, sondern einem Kunstwerk, das einen mit seiner konzentrierten Stille ansteckt, weil es so direkt, ungekünstelt und unwiderstehlich ist.
Matthias Stuchteys Werke gehören zu dieser Kategorie der Stille. Ihnen ist diese seltene ungeschützte Aufrichtigkeit und beiläufige Poesie eigen, die es sich nicht gestattet, den Betrachter mit irgendwelchem stilistischem Schmuckwerk oder dekorativen Pointen zu umschmeicheln. Dass seine Werke es auf den wenigen multiple veranlagten und ästhetisch verdichteten Behausungsquadratzentimetern meist zu einer melancholischen Größe schaffen, ist glänzend gemacht. Es ist eine Ästhetik, die ausgeht von vogelhausähnlichen Kästen, Behausungswaben und kleinarchitektonischen Ballungsformen, geboren aus kreativer Vernunft und einem Sinn für den eindrucksstarken Auftritt von Materialien.
Die Werke überraschen durch ihre auffällige, eigenwillige Gestaltung. Stuchtey macht das Schwere leicht, bindet Leichtes zu blockhaften Arrangements und verblüfft durch Unverwechselbarkeit. Er arbeitet mit Fundmaterialien (etwa mit Apfelsinenkisten, IKEA-Möbeln oder Milchkartons), deren Teile er auseinanderbaut, umarrangiert, neu zusammensetzt. Das ist mehr als billiges Recycling, denn es entsteht etwas völlig Neues, Anderes. Infolgedessen wäre wohl besser von „Upcycling“ zu sprechen. Materialinteressiertheit und Materialkenntnis erlauben es ihm, Werke von wohltuender Lebendigkeit und entlarvender Einfachheit zu schaffen. Dabei wäre eine Werkanalyse (selbst mit zunehmender Betrachtungsdauer) nicht mit Hilfe einer einzigen Kategorie durchzuführen. Vielmehr müssen plastisches und skulpturales Prinzip als zwei Seiten einer Medaille akzeptiert werden.
Ob man sie voneinander unterscheidet mit Oberbegriffen wie „Baukörper“ oder „Rohbauten“, die Arbeiten des vergangenen Jahrzehnts verblüffen durch ihre Stringenz, Knappheit und Präzision. Dabei wird deutlich, wie eng die konzeptionellen Überlegungen miteinander verknüpft sind. Es ist ein kreisendes Denken, aus dem heraus sich Werkreihen wie die „Trabanten“ (...) entwickeln. (...) Neugier und Spielverhalten kreisen um das, was sich hinter der Oberfläche der Dinge befindet. Das Auseinandernehmen und Zueinanderkommen der Einzelteile begleitet den Prozess des künstlerischen Zusichselbstkommens. Die Verbindungen der Elemente, die Cluster-Bildungen teilen uns etwas mit über die Verbindung zwischen Raum und menschlichen Lebensverhältnissen. So symbiotisch das Verhältnis von Künstler und Kunstwerk zu sein scheint, so entfremdet ist es zwischen den Menschen und ihrer Umwelt. Deshalb reflektiert Stuchtey das Verhältnis von Behausung, Unbehaustheit und Heimatlosigkeit, von Verunsicherung aufgrund des Verlusts von Gewissheiten, aber auch vom Lebensgefühl der Leere als Wohlstandsphänomen. Dem stellen sich seine mannigfaltigen Formagglomerationen in einer Art Suchbewegung entgegen.
Im umgekehrten Fall ist der Künstler aber auch ein Spezialist für Distanzierung und Separierung. Und er kennt sich aus mit der Einsamkeit. Freilich weiß er, dass man keineswegs allein sein muss, um sich einsam fühlen zu können. Ob der Künstler über das Eremitische, über Lebensscheu und Zurückgezogenheit nachdenkt oder über zivilisatorische Situationen, in denen es an Zuwendung mangelt, ist egal. Seine Werke strahlen das eine wie das andere gleichermaßen aus und sprechen auf eine dringlich objekthafte Weise von sozialer Dysfunktionalität.
Die Art der Elemente-Anordnung innerhalb der Werke unterstützt eine drehende Bewegung, die, wenn man so will, anläuft gegen eine Beschränkung des Denkens. Man könnte sie auch Reflexionssschleifen nennen, weil sie um die Wahrheit herumführen. Letzten Endes kreisen die Werke um die Frage, was wir von uns und unserer Existenz eigentlich wissen können. Wie man überhaupt erkennen kann, was ein menschliches Leben ist, wenn doch die Erinnerung an das, was war, so trügerisch ist. Die Arbeiten nehmen uns von Raum zu Raum mit hinein in einen Vorgang der Selbstbefragung, in dem sich das Bild, das wir uns von uns vor Augen führen, auf irritierende Weise in ein auf mehreren Ebenen addiertes Objekt verwandelt, das die Konturen unserer Existenz mal hierhin, mal dorthin dehnt, aber uns nicht wirklich befreit.
Die Nachfragen nach dem Verhältnis von Kunstwerk, Baukörper und Lebenssinn orientieren insofern auf das Architektonische als Erweiterung des Selbst. Stuchtey bietet etwas an, das in dieser Kombination in der Bildenden Kunst zunehmend selten anzutreffen ist: Das Verständnis von Architektur als einem komplexen Bild von Körperlichkeit. Der Stoff der rekapitulierten und projizierten Existenz als Teil und Ganzes, Innen und Außen, Geöffnetes und Abgeschlossenes, Heiteres und Tragisches ist für ihn das einzig greifbare und deshalb unangreifbare Material, das es in dieser verrückten Welt gibt, die immerzu neue Arten der Welt-Anschauung hervorbringt und nivelliert, ohne jemals genug davon zu bekommen.
Text: Christoph Tannert

2017 ElmaRiza clear day

Elma Riza

Elma Riza arbeitet mit verschiedenen künstlerischen Medien. Ihr Werk umfasst die Bereiche Video und Photographie ebenso wie interaktive und ephemere Installationen und Skulpturen. Mit der Gründung der interdisziplinären Plattform "Imprévu Berlin" (2014) erweiterte sie ihr künstlerisches Aktionsfeld um den Bereich der Installation-Performance und arbeitete verstärkt mit bildenden Künstlern, Musikern und Tänzern an neuen Wahrnehmungsformen von Raum und Zeit als maßgebliche Grundkonstanten der menschlichen Existenz.
Elma Rizas Arbeiten sind überwiegend ortsspezifisch. Sie konzentriert sich auf die realen und imaginären, sichtbaren und unsichtbaren Räume. Mit der Schaffung neuer Räume an ausgewiesenen und kulturell besetzten Orten wie Galerien oder Studios, aber auch in öffentlichen und privaten Räumen werden die vertrauten Wahrnehmungsgewohnheiten des Raumes hinterfragt und im Hinblick auf ihre omnipräsente Relevanz auf die Probe gestellt. Mauern, Wände, architektonische Strukturen oder Landschaften werden so zu den tragenden Elementen und damit zur eigentlichen Substanz der künstlerischen Arbeit. Linien, Formen, Objekte und Körper erscheinen dabei als neue Zeichen im Raum, die in ihrem Zusammenwirken Anlass geben, die Wahrnehmung von Zwischen-, Leer- und Zeiträume zu sensibilisieren.
In Elma Rizas Performances wird der menschliche Körper zum Träger einer visuellen Komposition, die den Körper als vergängliche Skulptur erscheinen lässt. Ähnlich wie bei einer Fotografie scheint die Zeit in diesen Augenblicken plötzlich still zu stehen, so dass die Wahrnehmung des geschaffenen beziehungsweise des sichtbar gemachten Raumes verstärkt ins Bewusstsein rückt.
Die Installation-Skulpturen von Elma Riza sind interaktiv oder ephemer. Die Besucher sind eingeladen, die Installationen und Skulpturen neue zu organisieren und damit die Räumlichkeiten aktiv zu verändern und immer wieder neu - im erwachten Bewusstsein der eigenen Körperlichkeit - zu betrachten. Die Arbeit entsteht aus zusammengestellte Objekten, die eine bestimmte graphische Komposition erschaffen. Mauern und Boden, Fenstern sind die Anfangspunkte von jeder Skulptur, die durch die konkreten Bezüge zu vorhandenen Architekturen eine ortspezifische Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit bezieht.

II. Kooperation Universität Duisburg-Essen

Parallel zur Ausstellung im Kunsthaus Essen soll im Wintersemester 2016/2017 an der Universität Duisburg-Essen ein Kurs zum Thema "Arbeiten im Raum" stattfinden, bei dem am Ende ausgewählte Ergebnisse im Kabinett des Kunsthauses gezeigt werden sollen.
Die Auseinandersetzung mit der angeschlagenen Thematik und ihren künstlerischen Umsetzungen soll auf verschiedenen Ebenen und ausgehend von verschiedenen Fragestellungen stattfinden: Wie kann ich EINFACH IM RAUM agieren? Wie kann man mit einfachen Mitteln skulptural arbeiten? Wie kann ich mit meinem Körper und einfachen Hilfsmitteln pervormativ auf den Raum reagieren? Wie beziehen sich unterschiedliche Künstler auf den Raum?
Die Arbeiten der 3 gezeigten KünstlerInnen werden gemeinsam betrachtet, analysiert und diskutiert. Darüber hinaus ist ein Kurzworkshop mit der Künstlerin Elma Riza im Kunsthaus geplant. Für die Studenten soll ferner die Möglichkeit bestehen, die in der Ausstellung vertetenen Künstlerinnen und Künstler bei der Einrichtung der Ausstellung zu begleiten und Gespräche über dramaturgische und inszenatorische Eingriffe zu führen.
In Auseinandersetzung mit den gefassten Eindrücken sollen eigene Projektideen entwickelt und umgesetzt werden.

Gefördert durch

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OFF.2

Hong Kong Derrick Barge (Duisburg), kunstraum unten (Bochum), PAErsche / Marita Bullmann (Köln/Essen)
13.11. - 11.12.2016 | Eröffnung: Sonntag, 13.11.2016
Einführung: Dr. Uwe Schramm

Das Projekt "OFF.2" fühlt sich im Sinne der Nachhaltigkeit den mit dem Vorgängerprojekt "OFF-Orte im Ruhrgebiet" formulierten und umgesetzten Ideen verpflichtet. Auch bei "OFF.2" geht es um die Sichtbarmachung eines künstlerischen Potenzials, das sich ruhrgebietsweit in Form von OFF-Räumen und OFF-Initiativen abseits etablierter Kunst- und Ausstellungsorte entwickelt. Das Projekt will die vielfältige OFF-Szene im Ruhrgebiet vorzustellen, die Konzepte hinter den OFF-Räumen und Initiativen sichtbar zu machen und deren künstlerisches wie gesellschaftliches Selbstverständnis im Rahmen von be-sonderen Ausstellungsformaten, Bild- und Videodokumentationen sowie öffentlichen Diskussionsforen beleuchten. Darüber hinaus geht es bei der Umsetzung des Projektes um die modellhafte zukunftsorientierte Vernetzung der OFF-Räume mit bereits bestehenden Ausstellungsorten wie Künstlerhäuser und Kunstvereine. Als öffentliche Ausstellungs- und Diskussionsplattform fühlt sich "OFF.2" der Sichtbarmachung einer Kunstszene verpflichtet, die weit mehr zu bieten hat, als improvisierte Ausstellungsräume für junge Kunst. OFF-Räume prägen und fördern längst auch die soziale sowie kulturelle Stadtentwicklung. Vorzugsweise angesiedelt in urbanen Quartieren, wo die Mieten für Ladenlokale und Wohnungen vergleichsweise bezahlbar sind, tragen Initiativen dazu bei, dass sich ein kreatives Milieu im Sinne von Bottom-Up-Ansätzen aus vorhandener Infrastruktur und den Quartierbewohnern entwickelt.
Beteiligt sind bei "OFF.2" die Kunsträume "Hong Kong Derrick Barge" (Duis-burg) und "kunstraum unten" (Bochum). Darüber hinaus tritt mit dem Performance-Netzwerk PAErsche eine Initiative hinzu, die selbst keinen festen Spielort besitzt, sondern an verschiedenen Orten in NRW und insbesondere im Ruhrgebiet, sowohl in geschlossenen Räumen, als auch an urbanen Orten performative Auftritte inszeniert.

2016 off Hong Kong
Hong Kong Derrick Barge | Duisburg

Die Hong Kong Derrick Barge ist ein von zwei Künstlern betriebener, nicht-kommerzieller Kunstraum. Die Betreiber, Christoph Breitmar und Charlotte Urbanek, haben selber in Weimar und Dresden bzw. in Leipzig Kunst studiert, leben seit 2012 in Duisburg und eröffneten den Raum im Herbst 2013.
Zwar sind Essen und Düsseldorf nicht weit, doch das Nichtvorhandensein einer Ausbildungsinstitution für Künstler macht sich in Duisburg stark bemerkbar – so leben dort wenig junge Künstler und es gibt auch relativ wenig Orte, an denen aktuelle Kunst in einem Rahmen gezeigt wird, den man aus Städten wie Leipzig, Berlin oder Dresden kennt.
Dieses gefühlte und erlebte Defizit erschien den Machern Motivation genug, einen eigenen Ausstellungsraum zu gründen und zu etablieren. Der Raum (ca. 45 qm) liegt im Hinterhof eines Wohnhauses, in einer Remise, in der früher eine Taxizentrale war, im ersten Stock über einer Hobby-Auto-werkstatt. Die weißen Backsteinwände wurden mit Trockenbauplatten verkleidet, um dem Werkstattcharakter des Raumes etwas Klarheit beizumischen. Hochfeld, der Stadtteil in dem die Hong Kong Derrick Barge liegt, erscheint als lebendiger und interessanter Orte in Duisburg. Der Raum ist vom Hauptbahnhof in ca. 5 Minuten mit der Straßenbahn und zu Fuß in 20 Minuten zu erreichen.
Im ersten Jahr des Bestehens wurden ausschließlich Zweierausstellungen gezeigt: Bei den ersten beiden erschienen die Betreiber noch selbst als Teilnehmer neben weiteren Gästen. Danach wurden die jeweils eingeladenen Künstler selbst um Vorschläge gebeten.
Zu ihrem Selbstverständnis als Off-(Kunst-)Ort-Betreiber heisst es: "Wir möchten nicht im eigentlichen Sinne kuratieren, sondern wollen dem Aufeinandertreffen der verschiedenen Menschen und Arbeiten den größtmöglichen Freiraum gewähren. Die Auswahl der beteiligten Künstler sehen wir als unseren größten 'kuratorischen Akt´ – von dem, was dann passiert, lassen wir uns selber überraschen. (...) Wichtig ist uns aber ein intensiver Austausch über die Arbeit – wir suchen das Gespräch in unserem eigenen Interesse als Künstler, aber auch in Hinblick darauf, dass wir gerade das Duisburger Publikum als sehr neugierig und unbefangen kennengelernt haben. Einige Male haben wir zur Eröffnung Künstlergespräche gehalten, was gut aufgenommen wurde."
Die ausgestellten Künstler sind eher jüngeren Jahrgangs, aber das ist nicht programmatisch. Die Hong Kong Derrick Barge hat ein extrem heterogenes Publikum. Da interessante Begegnungen in den Ausstellungen intendiert sind, werden auch nicht-kunstaffinen Personen angesprochen, über den Raum zu “stolpern”.
Waren es zunächst künstlerische Positionen aus Städten wie Leipzig, Berlin und Dresden, die gezeigt wurden, so finden mittlerweile vermehrt Künstler aus NRW Einlass in das Ausstellungsprogramm. Dennoch soll auch weiterhin der überregionale Austausch zwischen den Künstlern gefördert und vielfältige Begegnungen mit der Stadt Duisburg ermöglicht werden.
Hong Kong Derrick Barge
Walzenstr. 13
47053 Duisburg
www.hongkongderrickbarge.de

2016 off kunstraum unten
kunstraum unten - Ein Konzept zur Förderung junger Kunst | Bochum

Am Anfang stand die Suche nach einem Atelierraum. Das Angebot der Stadt Bochum, ein leer stehendes Ladenlokal zu mieten, war nicht nur finanziell attraktiv. Die Lage im U-Bahnhof „Schauspielhaus“ mitten in Bochum unweit des überregional bekannten Schauspielhauses Bochum gelegen, eine breite Fensterfront und dazu eine große Vitrine, legten schnell nahe, nicht nur ein Atelier, sondern gleichzeitig einen Ausstellungsraum, einen „Off-Space“ bzw. einen „Artist-Run Space“ zu betreiben, wie es ihn in Berlin, Düsseldorf, Köln, Münster und vielleicht noch in Essen gibt.
Unetablierte zeitgenössische Kunst soll hier über ein Schaufenster einem Publikum näher gebracht werden, das ansonsten weniger mit Kunst zu tun hat. Vorübergehenden, Betrachtern und Besuchern werden die vielfältigen Möglichkeiten junger Künstler gezeigt; sie werden animiert, die Gedanken um das Dargestellte kreisen zu lassen. Zustimmung ist ebenso willkommen wie Ablehnung. Wichtig ist die Beschäftigung mit den verschiedenen Bereichen der bildenden Kunst außerhalb der "erhabenen Situation" einer traditionellen, klassischen Galerie.
Der Betreiber von „kunstraum-unten“ ist der Kunst seit Jahrzehnten eng verbunden. Als aktiver Kunstpädagoge, mit Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf in den 1970er Jahre zur Zeit von J.Beuys, G.Richter, G.Hoehme, K.O.Götz und N.Kricke und eigener künstlerischer Tätigkeit, nahm sich vor, die weit über 30jährige Arbeit mit jungen Menschen im Gymnasium auf konsequente Weise im „kunst-raum-unten“ fortzusetzen: Jungen Künstlerinnen und Künst-lern, Meisterschülern oder Kunstakademieabsolventen soll geholfen werden, sich in Eigeninitiative und als Produ-zenten auf den Kunstmarkt zu behaupten, während sich gleichzeitig die eigene künstlerische Arbeit noch entwickeln kann. Die jungen Künstler sollten bereit sein, Ausstellungen zu prä-sentieren, die auch die Entwicklung der eigenen Arbeit nach-vollziehbar machen und nicht nur deren Highlights zeigen. Dabei gestalten sie alle Abläufe der Ausstellungen we-sentlich selbst mit, manche können auch dem Atelier-charakter des „kunstraum unten“ folgend, dort arbeiten.
Bei der Auswahl der ausstellenden Künstler stellen weder Aspekte der Verkäuflichkeit, noch Gefälligkeit die Hauptkriterien. Der Initiator hat den unschätzbaren Vorteil, finanziell weitgehend unabhängig zu sein und damit als freier Förderer der Künstler zu agieren. Natürlich soll sich das Projekt finanziell selbst tragen, was durch erfolgreiche Ausstellungen erreichen werden soll. Malerei, Grafik, Plastik und Skulptur, Video und Digitale Kunst: alles wird möglich sein, einzige Kriterien sind Originalität und Qualität. Zudem sollten es meist junge, noch nicht etablierte Künstler und Kunststudenten sein.
Es gibt so weit wie möglich keine klassische Kuratierung und Jurierung. Die Künstler werden nicht am Gängelband eines dominierenden Galeristen geführt, der hauptsächlich auf den Profit achten muss, weil er von seiner Galerie lebt. Die Künstler können sich frei in und mit dem Raum bewegen.
kunstraum-unten
Hattinger Str.1
Zwischenebene der U-Bahnstation "Schauspielhaus"
44789 Bochum
www.kunstraum-unten.de

2016 paersche
PAErsche / Marita Bullmann. aktionslabor nrw | Köln, Essen u.a.

PAErsche – das realisierte Begehren.
PAErsche ist der Arbeitstitel des Aktions-Labors, das sich 2010 gründete und von etwa 30 KünstlerInnen aus den Regionen Rheinland / Ruhrgebiet und Nachbar-ländern wie Belgien, Niederlande und Österreich getragen wird.
PAErsche ist realisiertes Begehren und verbindet als Netzwerk unterschiedlichste Performance-KünstlerInnen, kulturelle Plattformen und diverse mediale Organisationen die Performance-Kunst atmen und sich diese mit Leib und Seele einverleiben.
PAErsche will keine feste Gruppe oder Ensemble sein. Der Rahmen des offenen Labors ermöglicht PAErsche die Brücke zwischen den Generationen zu sein: Junge und ältere KünstlerInnen agieren gemeinsam im Raum und in der Zeit des Labors.
PAErsche ist nomadisch, es verfügt über keinen festen Standort. Das schwebende Gravitationszentrum dieses ›Open Source Netzwerks‹ befindet sich in Köln. Die Vernetzung mit anderen Regionen und deren Organisationen und Auftrittsorten ist fließend und wird stetig verändert und erweitert.
Basis dieser Kooperation ist einerseits die spezifische Arbeitsmethode des Aktions-Labors und andererseits die künstlerische und kulturelle Begegnung. Die Gabe, das substantielle soziale und kulturelle Gewebe, aus und in dem jede Begegnung als Grundstimmung lebt, gibt PAErsche Bestimmtheit, Dauer und Offenheit.
Die KünstlerInnen intervenieren temporär. Das Spektrum der Auftrittsorte reicht von Museen, Galerien und Theatern über den öffentlichen, urbanen, wie auch ländlichen Raum. In diesen
Weiten entwirft PAErsche Bedingungen, in denen sich die KünstlerInnen gut vertreten finden, da sie an diesem Labor und Rahmen-bildungen beteiligt sind und sie kooperativ gestalten.
PAErsche bietet eine Plattform für internationale Performance KünstlerInnen, die explizit von PAErsche eingeladen werden oder sich aufgrund anderer Projekte in Europa aufhalten. Dadurch entwickelt sich PAErsche immer mehr als Knotenpunkt für die internationale Performance-Kunst-Szene in Deutschland.
Genauso agieren VertreterInnen des Aktionslabors als BotschafterInnen bei inter-nationalen Festivals, Vorträgen und Treffen. Hierbei werden Methoden und Strategien durch die Mittel der Performance-Kunst kommuniziert und ausgetauscht, um schließlich mit diesen Menschen in die Gabe einzutreten.
Die dabei entstehenden künstlerischen Prozesse entwickeln organische Lebendigkeit und neue performative Möglichkeiten sich gestalterisch zu bewegen. Durch dieses kommunikative Wechselspiel der personalen Eigenheiten und lokalen Besonderheiten werden neue Metanetze zwischen bestehenden Netzwerken gespannt und erweitert.
Strategien, Parameter und Erscheinungsformen der Performance Kunst werden im kommunikativen Tausch entfaltet und veranschaulicht.
Das Kennenlernen von verschiedensten Netzwerkstrukturen eröffnet somit neue Möglichkeiten für dynamische Handlungsspielräume und kulturelle Erfahrungs-austausche.
Die Begegnung als Gabe und Kooperation, deren Grundlagen jedes Mal neu ent-worfen werden und deren Verlauf immer ein offenes Ende hat, beschreiben das Begehren, das das Aktionslabor zeichnet und auszeichnet.
Der französische Philosoph Paul Valéry sprach von einem ›Geistigen Betretensein‹, in dem sich Publikum und KünstlerInnen eingestimmt wiederfinden. PAErsche ist Poesie, Geist und Raum im Aufbruch für die nachhaltige Entwicklung der Performance Art von jetzt an bis …

PAERsche, März 2014
Beteiligte KünstlerInnen: Rolf Hinterecker, Thomas Reul, Benjamin Gages, Karin Meiner, Christiane Obermayr, Marita Bullmann, Alice de Visscher, Béatrice Didier, Anne-Louise Hoffmann, Carola Willbrand, Mark Met und Pierre Berthet.
Für OFF #2 entwickelt PAErsche eine fortlaufende Installation, die sich vom Beginn der Ausstellungseröffnung an über den gesamten Ausstellungszeitraum hinweg verändert und erweitert.

www.paersche.org
Marita Bullmann
www.maritabullmann.de

gefördert durch:

NRW

Erika Hock

11.9. - 23.10.2016 | Eröffnung: Sonntag, 11.9.2016, 16 Uhr
Einführung: Dr. Uwe Schramm

2016 Hock1

Im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens von Erika Hock steht die Beschäftigung mit dem Körper und seinem Verhältnis zum konstruierten und gebauten Raum. Formale Anknüpfungspunkte und Inspirationen finden ihre Objekte, Installationen, Ausstellungsdisplays und benutzbaren Bauten im Interior Design, der Mode und Architektur. Dabei sind es Geschichten, die die Dinge erzählen, Geschichten über die Entstehung eines Stuhls etwa, über Architektur und über die Dinge des täglichen Gebrauchs.
Im Zuge eines weiterführenden Abstraktionsprozesses entstehen schließlich Gebilde, die sich bewusst gegen eine eindeutige Zuordnung und Benennbarkeit sperren. Hocks Werke lassen sich als Möbel, Skulpturen, Körperhaltungen, Zeichnungen im Raum oder als Gebrauchsobjekte ohne erkennbare Funktion begreifen. Sie überschreiten lustvoll die Grenzen zwischen Kunst, Architektur und Design und führen ihren Betrachter auf das schwankende Parkett einer bewusst im Unklaren belassenen Funktionszugehörigkeit.
Erika Hocks Interesse an Körpern, den menschlichen Haltungen und Bewegungen manifestiert sich eindrucksvoll mit der Werkgruppe "Elbows & Knees". Lampenartige Gebilde, Hocker, sockellos im Raum oder an der Wand platzierte geschwungene Linienelemente, gerüstähnliche Leitersysteme sowie schlank und aufrecht stehende Liniengebilde erinnern dabei von ferne an klassische Stahlrohrmöbel und den frei-schwingenden, nach Schwerelosigkeit, nach Transparenz, Licht- und Luftdurchläsigkeit und materieller Auflösung strebenden Geist der am und um das Bauhaus herum entstandenen Gestaltungsideen. Hier wurden "notwendige apparate heutigen lebens" (Marcel Breuer) gedacht und entworfen, indem man von den modernen Bedürfnissen des Menschen und seiner körperlichen Existenz ausging. Dabei entstanden Gebrauchsobjekte, die den Körper nachformten. Im Mittelpunkt stand die Annäherung, oder besser: Wiederannäherung des Körpers an die für ihn gemachten und bestimmten Dinge, an die Dinge also, bei deren Entwicklung der Körper gewissermaßen Pate gestanden hat. So entstanden "oszillierende" Möbel, die scheinbar der Schwerkraft trotzten, schwebende, frei-schwingende, hinterbeinlose Sessel und Stühle, selbst nun Körper im Raum, die den Eindruck erweckten, jeden Moment aufstehen und elastisch ihre Form verändern zu können.

2016 Hock2

Mit Hocks Objekten wird der menschliche Körper, seine Beweglichkeit und charakteristischen Haltungen wahrnehmbar, ohne als eigentliche Form oder voluminöse Gestalt in den Arbeiten selbst präsent zu sein. Sie lassen den abwesenden Körper, der die Formgebung maßgeblich bestimmt hat, mit der Geste der Andeutung, Paraphrase und selbstironischen Inszenierung aufscheinen, und sind doch selbst Körper im Raum, mit erkennbarem Eigensinn und Veränderungspotenzial. Ein Hocker streckt forsch seine dünnen Beine in die Luft, ein tischähnliches Objekt verfügt über ein grotesk zur Seite hin abgewinkeltes Bein, während eine im Raum stehende aufragende Linie scheinbar lässig an der Säule gelehnt die Aufmerksamkeit des Betrachters fordert. Es sind Skizzen einer Idee einer betimmten Körperhaltung, lineare Raumzeichnungen von Körperumrissen, die sich je nach Standpunkt des Betrachters zur menschlichen Physiognomie verdichten, um sich im nächsten Moment wieder als abstraktes Liniengebilde zu wandeln. Manche Gebärden, die die Objekte vollführen, erinnern dabei an slapstickhafte Überzeichnungen, groteske Übertreibungen und von einem hintergründigen Humor getragene Paraphrasen menschlicher Bewegungen.
"You´re all elbows and knees" lautet ein Sprichwort, mit dem bildhaft die charakteristische Unsicherheit von Jugendlichen umschrieben wird, die als Heranwachsende buchstäblich noch nicht in ihrem Körper zuhause sind und denen die Gelenke, die eigentlich Bewegungen des Körpers, der Arme und Beine erst ermöglichen, eher hinderlich erscheinen. Hocks Arbeiten spielen mit diesen bildhaften Assoziationen und Bezügen, mit der Uneindeutigkeit funktionaler Bestimmungen und der gesuchten Nähe zu Gebrauchsgegenständen, die nur darauf zu warten scheinen, wieder benutzt werden zu können. Doch wofür, bleibt ungewiss.
Ende der 1920er Jahre verstieg sich der österreichische Architekt Adolf Loos in ein spektakuläres Projekt. Loos widmete der berühmten Tänzerin Josephine Baker voller Bewunderung ein eigenes Haus, das am Ende allerdings nie realisiert werden sollte. Das Haus für die exotische Schönheit, die als Nackttänzerin nur mit einem Bananenröckchen bekleidet war und die Sehnsucht nach exotischer Wildheit und zügelloser Sinnlichkeit in sich vereinte, sollte neben einem überdimensionierten Café auch über einen eigenen Swimmingpool verfügen. Nach dem Wunsch des Architekten waren für den Pool bullaugenförmige Fenster vorgesehen, die pikanterweise unter der Wasserlinie angebracht waren und so von außen den voyeuristischen Blick auf die schlanke Schwimmerin gewähren konnten. Die auffällige Fassade dieses einzigartigen Ensembles sollte durch abwechselnd schwarze und weiße Horizontalbänder strukturiert werden. Das Transparenz und Leichtigkeit suggerierende Design der Außenhülle entsprach dabei ganz der Auffassung des Architekten. Loos betrachtete Kleidung, Teppiche und Textilien als die wichtigsten Referenzpunkte für gebaute Wände.

2016 Hock3

Erika Hocks jüngste, für die Ausstellung im Kunsthaus Essen produzierte Arbeit besteht aus zwei scheibenförmigen Elementen. Kreisrunde Löcher in einer der dünnwandigen Platte finden ihre positive Entsprechung in bullaugenförmigen Aushöhlungen, in die Wasser eingefüllt ist. Als Stützform der direkt auf dem Boden platzierten Formen dient jeweils die Hälfte einer Kokosnuss. Auf einem scheinbar nachlässig abgestellten Sandsack prangt verheißungsvoll die Typenbezeichnung "Sansibar" und suggeriert damit exotische Eklusivität. Erika Hock hat mit dieser Bodenarbeit ein Werk geschaffen, das im Hinblick auf ihre Beschäftigung mit dem Josephine Baker-Haus subtile Assoziationen offenbart. Ihre Formensprache scheint die Überlegungen des Architekten aufzugreifen und in ein abstraktes, aus visuellen Versatzstücken bestehendes Skulpturenensemble zu überführen.
Die ausgestellten Filzteppiche stehen in einer Reihe von Arbeiten, deren Entstehung ebenfalls auf die Beschäftigung mit dem Josephine Baker-Haus zurückweisen. Darüber hinaus manifestiert sich mit ihnen eine Inspirationsquelle, die auf die eigene Biographie der Künstlerin zurückreicht. Aufgewachsen in Kirgisien, beschäftigt sich Erika Hock bereits seit geraumer Zeit mit den hier gebräuchlichen traditionellen Textiltechniken. "Shyrdaks" sind zweifarbige doppellagige Teppiche mit jeweils identischem, durch beide Filzlagen ausgeschnittene Muster, das ähnlich einer Spiegelung als positiv bzw. negativ gestaltet ist.
Erika Hock überträgt dieses Prinzip in ihre eigenen, ebenfalls aus zweilagigem Filz bestehenden Teppiche, allerdings erscheinen die positiven und negativen Formen in Schwarz und Weiß und übertragen damit traditionelle Gestaltungsprinzpien in eine abstrakte Formauffassung.
Biographisches mischt sich mit Anekdotischem, mit Geschichten über Architektur, mit Beobachtungen und Erfahrungen, um daraus ein schier unerschöpfliches Reservoir an Inspirationen für die künstlerische Arbeit von Erika Hock zu bilden. (Text: Uwe Schramm)

Produziert mit Unterstützung des Marta Fonds für Neue Kunst, Herford
und Wiels, Brüssel
Courtesy Galerie Cosar und Erika Hock

Mit Unterstützung durch

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Wirklich Jetzt!

Elí Cortinas, Jérome Gerull, Peter Loewy, Henning Frederik Malz, Johanna Reich, Malte Stienen
22.5. - 3.7.2016 | Eröffnung: Sonntag, 22.5.2016, 16 Uhr
Einführung: Dr. Uwe Schramm

2016 wirklich jetzt gerull

In Kooperation mit dem Museum Goch.
Ausstellungsdauer in Goch: 19.6. - 4.9.2016
gefördert durch:
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Oliver Ross, Anna Szermanski

13.3. - 24.4.2016
Eröffnung: Sonntag, 13.3.2016, 16 Uhr
Einführung: Dr. Uwe Schramm

2016 Ross

Oliver Ross

DIE HYPOTRANSLUMINISZENS DER QUASIAURA WIRFT IHRE SCHATTEN IN DIE PATHOGENESE DES HANDWERKS
Bekanntermaßen hat „Die Kunst“ ihre Aura schon vor langer Zeit eingebüßt. Rossology gibt ihr durch Technik zurück, was ihr durch Technik genommen wurde. Die Lichterscheinung der Quasi-Aura ist damit endlich reproduzierbar; und in ihrer Ontowirkung durchscheinend prozessual: Denn so, wie sich hier die Farben ändern, schwanken auch die Gefühle, sowohl langfristig als auch unmittelbar gegenwärtig. Sie drücken sich als subjektive Tatsachen körperlich aus: Erröten und Blasswerden… In den rossologischen Aura-Automaten kommt sogar grünes Rot vor Abstrakte Kunst ist hypothetische Kunst. Hypothesen resultieren aus Analysen, transluminierte Hypothesen können wiederum selbst besser analysiert werden. Auf den Querschnitten der Wunschorgane aus dem Rossology Labor lässt sich lesend schauen, was von der sogenannten Seele bewohnt wird. Dabei kommt das Geistige in der Kunst heute oft aus der Steckdose: Schalt doch mal das Bild aus! Kein Einleuchten ohne Blendwerk. Daher auch die Schatten. Wo sich die Formen nun verdunkeln, kommt noch etwas anderes zum Vorschein: Die Antikunst. Als trotziger Widerstand. Und der kommt hier, ganz romantisch, folgerichtig aus dem Handwerk. Denn das Handwerk, man spürt es irgendwie, hat an Bedeutung verloren und damit auch der Mensch. Das soll nicht sein. Daher wird diese Problemlage radikal als pathogene Meditation vorgeführt: Kugelschreiber auf Papier, bis zur Schmerzgrenze, so dicht, wie es das noch nie gegeben hat. Garantiert. Zeichnung total. In diesem Sinne: Die Kunst macht weiter, denn Totgesagte leben länger! Text: Oliver Ross, 2016

2016 Szermanski

Anna Szermanski

Die gebürtig aus Polen stammende Meisterschülerin der Kunstakademie Düsseldorf beschäftigt sich in ihren jüngsten Arbeiten mit der Folklore ihres Herkunftslandes. Mit flächig gestalteten, lebensgroß dimensionierten Tafeln erscheinen farbenprächtige Motive, die bestimmte Gestaltungselemente graphisch reduziert und abstrahiert zur Darstellung bringen. Mit einem Brückenschlag finden die biographisch gefärbte Vergangenheit der Künstlerin und ihre kulturelle Prägung mit dem großen abstrakten Weltgeschehen und dem Kreislauf allen Lebens zueinander. In den letzten Jahren beschäftigte sich Anna Szermanski intensiv mit der Kultur und der ornamentalen Formsprache polnischer Folklore. Die Frage „Wo komme ich her, wo gehe ich hin?“ ist von zentraler Bedeutung in ihrer künstlerischen Arbeit. Die Arbeiten stehen für ihren persönlichen Kreislauf, wie auch für den Kreislauf des Lebens allgemein und stellen Fragen nach Einheit und Individualität, Symbiose und Gegensatz, und letztendlich nach Ursprung und Ende. Der Blick Anna Szermanskis dringt dabei durch die Oberfläche und äußere Hülle des Lebens zu den Bauprinzipen der Körper, die damit einerseits jegliche Individualität verlieren, andererseits aber zu Symbolen vitaler Zusammenhänge werden, indem Sie symbolhaft den Kreislauf des Werdens und Vergehens allen Lebens visualisieren. Menschliche Skelette werden dabei auf ihre formalen Ausdruckswerte reduziert und mit floralen sowie vegetabilen Formen kombiniert, woraus sich letztendlich ein graphisches Muster ergibt, das jegliche Form von ursprünglichem Schrecken oder Morbidität für immer verloren hat und dem Betrachter als lustvoll gestaltetes, farbenkräftiges Ornament entgegentritt. Die besondere Art der Präsentation dieser Malerei, die auf dem Boden liegend gezeigt wird, ist dabei durchaus außergewöhnlich. Manches erinnert dabei an archäologische Ausgrabungsfelder oder altertümliche Grabplatten. Und es sind gerade diese Momente des Erinnerns, die der farbkräftigen Malerei von Anna Szermanski eine besondere Tiefe verleihen.

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