Szenische Forschung: Trampolin II

Ausstellungsdauer 14.9. - 27.9.2020| Eröffnung 14.9.2020 um 16 Uhr
Öffnungszeiten; Donnerstag bis Sonntag 15 - 18 Uhr

15.9.2020 | Eröffnung & Symposium "Formen an den Rändern der Wissenschaft" (nicht öffentlich)

20.2.2020, 17.00 - 19.00 Uhr | Performance "Advanced Clapping" (Im Rahmen der Kunstspur) Schulhof Kunsthaus Essen

25.9./26.9.2020, jeweils 12.00 - 20.00 Uhr | Share: Öffentliche Präsentation der Arbeitsergebnisse (öffentlich)

Für den Besuch der öffentlichen Präsentation ist eine vorherige Anmeldung erforderlich.
Anmeldungen ab dem 22.9.2020 unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Trampolin ist ein interdisziplinär angelegtes Ausstellungs- und Performanceprojekt, das in Kooperation zwischen dem Kunsthaus Essen und dem Masterstudiengang Szenische Forschung des Institut für Theaterwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum stattfindet.
Nach seiner erfolgreichen Premiere in 2019 ist das Kunsthaus Essen erneut Residenzort, Aufführungsstätte und temporärer Think Tank für Trampolin und stellt den jungen Künstler*innen einen Großteil der öffentlich zugänglichen Räume, Bühnen, Ateliers, Ausstellungs- und Rückzugsorte zur Verfügung.
Trampolin ist eine künstlerische Versuchsanordnung, die interdisziplinäre Ansätze und Begegnungen auslotet. Die verschiedenen Projektansätze und -segmente umfassen ebenso den Bereich der Performing Arts wie das Gebiet der visuellen Künste, der Musik und des Tanzes.
Im Sinne des übergreifenden Mottos "Retreat, Discourse, Share" arbeiten die Studierenden vor Ort an ihren persönlichen Ideen, Skizzen und Konzepten und entwickeln so Performances, Hörstücke, Installationen, Konzerte oder Vorträge. Am Ende des Residenzaufenthaltes werden die Ergebnisse öffentlich präsentiert.

Aktuelle Informationen zu Trampolin unter: www.facebook.com/szenischeforschungtrampolin/

Bitte beachten Sie: Um Ihnen einen sicheren und zugleich entspannten Aufenthalt im Kunsthaus Essen zu ermöglichen, befolgen Sie bitte die geltenden Hygienevorschriften und Abstandsregeln. Bei einem Besuch der Veranstaltungen ist im gesamten Kunsthaus das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend.

 

Katarína Marková, Marlene Ruther, Franziska Schneeberger
Ich war hier

03. Juli bis 12. Juli 2020, 10 bis 22 Uhr

2020 schneeberger

Franziska Schneeberger zeigt ihre im Studiengang "Szenische Forschung" der Ruhr Universität Bochum entwickelte Abschlussarbeit "Ich war hier" in Kooperation mit den Szenischen Forscherinnen Marlene Ruther und Katarína Marková.
ICH WAR HIER: Auf ehemaligem Militärtrainingsgelände, in post-industriellen Schächten und Hohlräumen des Bergbaus, auf milliardealten und kilometerweit gereisten Findlingssteinen, in den Mikroebenen meiner alltäglichen Gegenden. Die Dokumente dieser Begegnungen von Körper und Oberfläche werden markiert, kopiert, übersetzt zur Karte, zum Punkt und zur begehbaren Landschaft.
Mit ihrer Installation aus Video, Stoff, Text, Papier und anderen Datenträger*innen befragen Katarína Marková, Marlene Ruther und Franziska Schneeberger Verhältnisse von Fiktion und Information im Herstellen von Wissen.
Eine besondere Eröffnung der Ausstellung findet nicht statt. Die Ausstellung ist allerdings zu den angegebenen Zeiten für Besucher*innen geöffnet.
Die drei Künstlerinnen sind während der Öffnungszeiten anwesend.
Zum Besuch der Ausstellung: Bitte vorab via Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anmelden und eine individuelle Besuchszeit vereinbaren.
Ihr Besuch im Kunsthaus Essen
Die Gesundheit unserer Besucher*innen hat für uns oberste Priorität. Wir bitten daher um Verständnis, dass bestimmte Regeln für einen Ausstellungsbesuch in unserem Haus verbindlich sind. In unseren Ausstellungsräumen dürfen sich maximal nur 20 Personen zeitgleich aufhalten. Bitte beachten Sie daher vor einem geplanten Ausstellungsbesuch den Anmeldemodus. Bitte tragen Sie beim Besuch der Ausstellung einen Mund-Nase-Schutz und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Besucher*innen. Zur Ermöglichung einer Kontaktpersonennachverfolgung tragen Sie sich bitte mit Ihren persönlichen Daten in die ausliegenden Listen ein. Wir danken für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen einen angenehmen und sicheren Aufenthalt im Kunsthaus Essen.

 

Christoph Esser - Confirming till it's over

Ausstellungsdauer 15.3. - 19.4.2020 | Eröffnung 15.3.2020 um 16 Uhr
Öffnungszeiten; Donnerstag bis Sonntag 15 - 18 Uhr
Verlängerung 16.5. - 21.6.2020 | Öffnungszeiten: Samstag u. Sonntag 15-18 Uhr

2020 esser 2

Liebe Freundinnen und Freunde des Kunsthauses Essen,
nachdem wir das Kunsthaus aufgrund der gegebenen Verordnungen zur Eindämmung einer weiteren Verbreitung des Corona-Virus vorübergehend geschlossen halten mussten, dürfen wir nun unsere Türen wieder für Besucher*innen öffnen. Darüber freuen wir uns sehr!
Wir haben unsere aktuelle Ausstellung „Christoph Esser – Confirming till it´s over“ bis zum 21.6.2020 verlängert, so dass alle interessierten Besucher*innen die Gelegenheit nutzen können, sich die wunderbare Einzelpräsentation von Christoph Esser in Ruhe anzuschauen.

Christoph Esser ist ein interdisziplinär arbeitender Künstler. Sein Vorgehen wechselt zwischen künstlerischen bzw. materialbezogenen Experimenten, zeichnerischen Entwurfsphasen, Reflexionen, Recherchen und deren Umsetzung. Die Aneignung und Integration von industriellen Fertigungstechniken wie computergesteuerte Schnitt- und Frässysteme oder materialspezifische Versiegelungsmethoden in den künstlerischen Prozess, aber auch die intensive Beschäftigung mit Techniken der Malerei und Druckgraphik lassen Essers Arbeitsvorgehen zu einem komplexen Gestaltwerdungsprozess reifen, der das jeweilige Werk durch das Zusammenwirken einzelner Phasen und Segmente als ein vielfältig konnotiertes Produkt künstlerischer, gestalterischer und ideeller Auseinandersetzungen erscheinen lässt. Mit der aktiven Zusammenführung unterschiedlicher Arbeitsergebnisse und dem daraus entwickelten Vokabular gelingt es ihm, komplexe, überwiegend bildhauererische Fragestellungen und Erzählungen zu formulieren.

2020 esser face

Die Ausstellung wird gefördert vom Kulturbüro der Stadt Essen.
Logo Essen Kulturbüro

 

Jens Kothe, Tammo Lünemann, Kai Borsutzky - drink liquid

Ausstellungsdauer 26.1. - 23.2.2020 | Eröffnung 26.1.2020 um 16 Uhr
Öffnungszeiten; Donnerstag bis Sonntag 15 - 18 Uhr

2020 drink liquid
Die Ausstellung mit Arbeiten von Kai Borsutzky, Jens Kothe und Tammo Lünemann stellt Fragen nach dem Verhältnis von Körperlichkeit und Intimität, nach dem Wesen des Erinnerns und der Narration vermeintlicher Nichtigkeiten. In Form von künstlerischen Hybriden, multimedialen Mischwesen, Interferenzen und transmedialen Installationen trifft greifbare Stofflichkeit auf das Prinzip des Auslöschens, auf ein künstlerisch inszeniertes Wechselspiel von körperlicher An- und Abwesenheit sowie auf fiktive Erinnerungsorte, bei denen sich Abstraktes und Konkretes miteinander vermengen. Das Spiel mit dem Vertrauten, die Umdeutung des Alltäglichen durch dessen symbolische Überhöhung und die Schaffung von Assoziationsspielräumen mittels bewusst gewählter Materialkombinationen schafft einen gedanklichen Überbau, der die unterschiedlichen Bilder, Installationen, Assemblagen und Objekte miteinander verbindet.

2020 lünemann
Tammo Lünemann
Sowohl meinen grafischen als auch den bildhauerisch bis hin zu installativen Werken ist das Thema des Erhebens von Profanem gemein. Den beiläufigen Sichtweisen vermeintlicher Nichtigkeiten messe ich häufig großen Wert bei, weil ich gerade in dieser Summe des Facettenreichtums eine narrative Legitimität sehe. Hierfür variieren allerdings jene Momentaufnahmen einer Bewegung, eines Gedanken, des Resümierens eines Dialoges, des Eingestehens eines Fehlers, des Erkennens des Absurden, des Aufbegehren einer Leidenschaft, deren Intensivierung oder aber deren Abklang. Dieser banalen Bilderwelt liegt ein nach innen gewandtes Dechiffrieren zugrunde, welches erhabene Strukturen durch jene persönliche Symbole ersetzt. In dem grafisch-literarischen Teil meiner Arbeit findet sich daher oft ein Fokus auf üblicherweise aus dem Fokus gerückter Schlüsselmomente. Diese etwa zaghaften Bewegungen physischer und emotionaler Intimität und Aussagen des Lesens und Verlesens zwischen den Zeilen, das Wünschen und Versagen werden dann von mir auf ebenfalls in imitierter Beiläufigkeit gezeichnet und niedergeschrieben. Handwerklich habe ich mich zu diesem Zweck für den Siebdruck entschieden, da mir seine Gleichzeitigkeit im Druck eine größtmögliche Abwesenheit meiner Selbst ermöglicht, des Weiteren seine Brillanz zarte Farbkombinationen zulässt und dabei die Nebensächlichkeit im ausstellenden Kontext wieder herstellt. Die Wahl der Druckträger sowie der Materialien für bildhauerische Werke erschließt sich häufig durch den Wunsch einer diesseitigen Bildwelt. Hierfür verwende ich entweder alltägliche Gegenstände oder aber erlerne Handwerkstechniken, auf dass die von mir geschaffenen Gegenstände ebenfalls vertraut anmuten. Die Üblichkeit dient der Verankerung des Betrachters und dessen Erleichterung eines Zugangs zu meiner Arbeit. Im erhabenen Arrangement entdeckt er in ihm Vertrauten jene Narration vermeintlicher Nichtigkeiten.

2020 Kothe
Jens Kothe
In seinen Arbeiten beschäftigt sich Jens Kothe mit Fragen nach Körperlichkeit, Intimität und Materialität. Seine Objekte, Assemblagen und Installationen greifen Elemente des Alltäglich-Gewohnten auf und lassen räumliche Situationen entstehen, die etwas Privates und Vertrautes hervorrufen. Häufig adressieren sie zudem ein Wechselspiel zwischen körperlicher An-und Abwesenheit und thematisieren dadurch Fragen nach dem Unheimlichen. Jens Kothe arbeitet mit einem breiten Spektrum an Materialien, die von Holz, Beton, Glas und Fliesen über Silikon bis hin zu Textilien reichen. Die Wahl des Materials ist dabei charakteristisch für sein bisheriges künstlerisches Werk. Physische Qualitäten von Stofflichkeiten sowie deren Wirkungen und vor allem Kombinationen von teils sehr unterschiedlich konnotierten Materialien spielen in Kothes Arbeiten demnach eine besondere Rolle. Häufig greift Kothe vor allem auf die Technik der Polsterung zurück, wodurch Anspielungen auf Mobiliar und Interior Design initiiert werden, so dass seine Objekte eine Spannung zwischen Funktionalität und Materialästhetik aufbauen. Die von Kothe kreierten Situationen und Umgebungen arbeiten stark mit Fragen von intuitiver Wirkung und Wahrnehmung und bringen dabei Assoziationsspielräume hervor, die sowohl auf der Ebene des Sujets als auch der des Materials entstehen. Was die Arbeiten zudem aktivieren, ist ein ‚haptischer Blick‘, denn aufgrund ihrer visuell greifbaren Stofflichkeit verführen sie zur Berührung und provozieren den Wunsch einer haptischen Erfahrung.
(Text: Svetlana Chernyshova)

2020 Borsutzky
Kai Borsutzky
Das Thema der Erinnerung und die daraus resultierende Entwicklung und Gestaltung fiktiver Erinnerungsorte spielen bei Kai Borsutzky eine zentrale Rolle. Der aus mehreren Einzelarbeiten organisierte Aufbau und die Zusammensetzung der Arbeiten sind dabei an bestimmte Funktionsweisen unseres Gedächtnisses angelehnt. Wenn wir uns an etwas erinnern, sei es ein Ereignis, eine Person oder eben ein Ort, dann ist diese Erinnerung meist multimedial. Wir verlassen uns also nicht auf einen einzelnen, losgelösten Sinn, sondern rufen uns meist verschiedenartige Aspekte des Erinnerten ins Gedächtnis und können uns so nicht nur an Seheindrücke, sondern auch beispielsweise an Gerüche und Gefühle erinnern. Borsutzkys Installationen greifen diesen Aspekt der Erinnerung insofern auf, als verschiedene Medien zu einem sinnvollen Ganzen kombiniert werden. So werden häufig dreidimensionale Objekte neben Malereien und Fotos gezeigt, architektonische Gegebenheiten des Raumes wie beispielsweise Heizkörper selbstverständlich in die Arbeit integriert und alltägliche Gegenstände wie Kabel, die einige Werke notwendigerweise mit Strom versorgen, nicht verschleiert oder versteckt, sondern als Teil der Arbeit hervorgehoben und gezielt präsentiert. Erinnerungen können sehr konkret, aber auch diffus und schwer greifbar sein. In der Installationen werden ebenfalls bewusst solche Gegensätze zusammengefügt, indem einerseits sehr konkrete, andererseits aber auch sehr abstrakte Arbeiten oder auch Mischformen gezeigt werden. Ausschnitte von Fotografien erscheinen unweigerlich sehr konkret, wohingegen weiches Licht sich sehr diffus zeigt. Fotografien werden mit abstrakten Zeichnungen überlagert und zusammen gezeigt, so dass sich Konkretes und Abstraktes vermischen und aufeinander beziehen. Ein weiteres wichtiges Prinzip, das in den Arbeiten immer wieder thematisiert wird, ist das Prinzip des Auslöschens. Abstrakte Zeichnungen, die zusammen mit den Fotografien in den Leuchtkästen gezeigt werden, wirken durch die Beleuchtung so, als würden sie sich auf einer räumlich versetzten Ebene befinden und eine eigene Einheit bilden. Tatsächlich sind die weißen Zeichnungen nichts weiter als aus dem Bild herausgekratzte und somit quasi ausgelöschte Teile.

Gefördert durch die logo allbaustiftung web

 

Made in ...

Ausstellungsdauer: 10.11. - 15.12.2019 | Öffnungszeiten; Donnerstag bis Sonntag 15 - 18 Uhr
Eröffnung: Sonntag, 10.11.2019, 16 Uhr | Einführung: Dr. Uwe Schramm

Das Kunsthaus Essen zeigt in Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste eine Ausstellung mit vier fotografischen Positionen, die das Medium Fotografie über seine künstlerisch formale Verfasstheit hinaus als ein Medium der Reflexion nutzen und begreifen. Mit ihren Arbeiten spiegeln sie aktuelle gesellschaftliche Diskurse und Fragenkomplexe. Dazu gehören neben der anhaltenden Veränderung der Gesellschaft durch die Globalisierung und dem Wandel des Geschichtsbilds durch die postkolonialistische Debatte insbesondere auch die Frage nach der Rolle des fotografischen Bildes und dessen Beziehung zum Betrachter. Ob europäische Investitionsruinen, weltweit kursierende Lebensmittelkreisläufe, Landschaftsfotografie oder fotografische Raumexegesen – allen gemeinsam ist die Frage danach, wie Fotografie die Komplexität der Wirklichkeit, ihre Widersprüche und Herausforderungen in Bilder zu fassen vermag, die die Zukunft wie die Herkunft des Motivs reflektieren.

2019 Wagner
Mercedes Wagner: ExExoArtefakt (2018)

ExExoArtefakt (2018) untersucht unseren Alltag auf seinen kolonialen Hintergrund hin und befragt die Repräsentationsfunktionen von Objekten und des fotografischen Mediums. Es werden Parallelen zwischen historischen und gegenwärtigen Prozessen gezogen, während der Begriff des Artefakts in einem neuen Kontext erscheint.
Im Museum sind Artefakte losgelöst von ihrer originären Funktion sowohl als Objekte wie auch als Repräsentanten der Historie erfahrbar. Dieser Inszenierungsmoment wird hier durch fotografische Mittel auf alltägliche Lebensmittel, die in Relation zu Lateinamerika stehen, übertragen. Sie werden zu skulpturalen Objekten deren Eigenleben zu einer genaueren Auseinandersetzung einlädt. Gleichzeitig ermöglicht es die Ausschnitthaftigkeit der Fotografie den Bedeutungsraum der Motive so zu erweitern, dass die abgebildeten Lebensmittel als Stellvertreter des Alltäglichen lesbar werden. In der Rekontextualisierung mit Fotografien präkolumbianischer Artefakte aus musealen Sammlungen wird die Repräsentationsfunktion der Lebensmittel auf ihren gemeinsamen kolonialen Kontext erweitert - durch diesen wurden sie für Europäer zugänglich und teilweise sogar heimisch „gemacht“ wie z.B. die Kartoffel. Durch das Einbinden zeitgenössischer Superfoods fragt die Arbeit auch nach zeitgenössischen Pendants, die auf die Verlinkung von Kolonialismus und Globalisierung verweisen.
Mittels des fotografischen Bildes und seiner abstrahierenden, indexikalischen und inszenierenden Qualitäten wird innerhalb der raumbezogenen Installation ExExoArtefakt ein Bezugsnetz gebildet, in dem die einzelnen Bilder in ihrem Zusammenspiel einen fotografischen Raum schaffen, der die Lesart gewohnter Objekte zu verändern sucht, mit dem Ziel Begriffe wie Herkunft und Kultur zu hinterfragen.

2019 Schlüter
Caroline Schlüter: Scheitern. Aufgelassenes Europa

Investitionsruinen sind längst nicht mehr nur ein ungewolltes Wahrzeichen Spaniens. In den meisten europäischen Ländern prägen sie das Stadt- bzw. Landschaftsbild.
Die Gründe für die Ruinierung sind dabei vielfältig. Mal handelt es sich um privates Scheitern, mal um Opfer der Korruption, mal aber auch um pure Fehlplanung.
Eines haben die Motive meiner Arbeit jedoch alle gemeinsam: Sie haben ihre Zukunft in der Vergangenheit und verharren so in einem Zustand zwischen Noch-nicht und Nicht-mehr. Allesamt wurden sie nicht fertiggebaut und nie ge- oder umgenutzt.
Es drängt sich die Frage auf, ob diese Ruinen unserer Gegenwart das Pendant zu jenen der Antike bilden und so eine Parabel für unsere vom Kapitalismus geprägte Gesellschaft geworden sind. Die Gebilde haben mit dem Abbruch des Entstehungsprozesses ihre Daseinsberechtigung verloren, stehen nun aber als Mausoleen der Spekulation in den verschiedenen Ländern.

2019 Gastelum
Javier Gastelum

Die Frage lautet immer: "Was fotografieren Sie?", aber nie "Wie fotografieren Sie?"
In seinen Arbeiten interessiert sich Javier Gastelum für Bilder, welche die Erwartungen ihrer Betrachter unterlaufen, negieren oder in die Irre führen. Bilder, deren Bedeutung nicht in ihrem Bezug zur Welt liegt, sondern die unbestimmt bleiben. Diese Unbestimmtheit könnte ein Nach-Sehen, ein Nach-Denken, Reflexion auslösen. Wenn nichts fest definiert und klar umrissen ist, wenn Unschärfe und Undeutlichkeit ins Spiel kommen, fängt das Denken erst an.

2019 Lidong Zhao
Lidong Zhao

Was ist das, was auf einer Fotografie zu sehen ist? Was ist dieses Stück Welt, wie ist es zu verstehen: als Ding, als Landschaft, für sich und an sich existierend? Dies sind einige der Fragen, die der Arbeit von Lidong Zhao zugrunde liegen. Ein Gegenüber, ein fotografiertes Objekt, ein Ort existiert nach Wahrnehmung des Künstlers doch immer nur in der Beziehung einerseits mit der Umgebung aber auch mit dem Sehenden (und dem Fotografierenden) und entsteht überhaupt erst in dieser sich immer wieder verändernden Beziehung.
In seinen Arbeiten versucht Lidong Zhao, mit dem Medium Fotografie seine Beziehung als Fotograf zur (Um)Welt durch oder mit der Kamera zu erforschen. Die binäre Beziehung Objekt-Subjekt aufbrechend, bezeichnet (Um)Welt somit zugleich seine Umwelt, die ihn als Sehenden zum Mittelpunkt hat, aber auch die Welt, von der er sich als Teil versteht. Die Arbeit an seinen Stillleben und an den Landschaften seht der Künstler als anhaltenden Prozess, der trotz vieler Veränderungen und Fortentwicklungen bereits seit 2012 anhält. Daher stellt Zhao seine Bilder in immer neue Konstellationen zusammen, wobei ältere und neuere Fotografien (und damit Entwicklungen) nebeneinander existieren. "Meine Arbeit", folgert Zhao, "verstehe ich als einen unermüdlichen Versuch, mich der Frage nach dem Gegenüber in der Fotografie, nach dem Abbild, der Darstellung anzunähern: Was zeigt eine Fotografie, was ist abgebildet – oder ist nicht die Fotografie selbst ein Stück Welt?"

Die Ausstellung findet im Rahmen des f 2 Fotofestivals Dortmund 2019 statt.

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Weitere Infos:

Die Ausstellung wird gefördert von der Allbau Stiftung.

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Dimension of Space
Anna Fiegen, Christian Henkel, Frank Maier

Ausstellungsdauer: 8.9. - 13.10.2019 | Öffnungszeiten; Donnerstag bis Sonntag 15 - 18 Uhr
Eröffnung: Sonntag, 8.9.2019, 16 Uhr | Einführung: Dr. Uwe Schramm

Die Ausstellung führt drei Berliner Künstler*innen zusammen, die sich auf unterschiedlichen gestalterischen Ebenen mit dem Phänomen Raum beschäftigen - sei es als konzeptueller Bestandteil von Malerei und Bildhauerstrategien oder als Reflexzone für die künstlerische Auseinandersetzung mit zivilisatorischen Prozessen.

2019 Anna Fiegen
Anna Fiegen

Anna Fiegen arbeitet vorwiegend mit Malerei und Druckgrafik. Sie löst urbane Architektur aus ihrem Kontext und inszeniert sie unter Einsatz von Licht und Schatten in menschenleeren Landschaften aus großen, ruhigen Farbflächen, in denen die Gebäude als zivilisatorische Spuren zu Projektions- und Identifikationsobjekten werden.
In ihren neueren Arbeiten lässt sie dem malerischen Zufall mehr Entfaltungsräume. Anna Fiegen experimentiert mit der Materialität von Ölfarbe in verschiedenen Zuständen - mal flüssig, mal pastos. Sie forscht zur architektonischen Stilepoche der Nachkriegsmoderne mit Fokus auf utopischen Ansätzen wie dem Brutalismus.

2019 Christian Henkel
Christian Henkel

Christian Henkel arbeitet als Bildhauer und Maler. Seine Arbeit findet immer an oder auf dem Objekt und im Raum als Installation statt. Alle Arbeiten definieren sich durch eine starke, individuelle Erscheinung, welche sich in ihrer eigenen Farbgebung manifestiert. Sie sind mit Ölfarben, Lacken, Kreiden, Pigmenten bemalt oder aus diversen Materialien collagiert. Farbe erscheint als Material und Material ist Farbe. Dazu reihen sich eine eine Anzahl gefundener Objekte und Dinge in ihr Bausystem ein. Das können folkloristische Trödelfunde sein oder Strassenmüll. Henkels Denken basiert auf einem visuellen Verständnis und einer Untersuchung der Dinge, die ihm begegnen. Vor einigen Jahren hat Henkel selbst seine Arbeitsmethode „Amateur Standard“ getauft. Der „Amateur“ wird hierbei zum passionierten Volkskünstler und nicht zum Dilettanten. Zu viel an Perfektion und kühler, berechnender Virtuosität tötet die Sache. Der „Standard“ dabei sind die eigenen Regeln. Gleichermaßen geht es um Raum, Farbe, Form, Material und Inhalt.
Der Künstler begreift sich als formalistisch, konstruktivistischen Materialpoeten. So geht es bei Skulptur objektiv um Raum, physischen, realen Raum und reale Präsenz im herkömmlichen Sinne und im übertragen Sinn um einen künstlerischen Reflex auf soziokulturelle Ausprägungen. Räumlichkeit ist die totale Direktheit im Umgang mit Realität. "Die Perspektive ist das Bild und das Malen findet auf der Oberfläche der einzelnen Skulptur statt. Der öffentliche und der private Raum sind geprägt von Architektur und Design. Das ist Skulptur, zumeist unter dem Diktat des Verwendungszwecks. Und in diesem Zusammenhang eben auch immer eine Auseinandersetzung von Raum, Material und Funktion, eingebunden in ihre jeweilige entstehungsgeschichtliche Epoche. Das ist mein Fundus. Daraus bediene ich mich. Hinzu kommt mein lebendiges Interesse an den, ebenso allgegenwärtigen, Formfindungen von Designern, egal ob Fahrradrahmen oder Klopapierhalter. Alles um uns herum kann als Raum wahrgenommen werden und ist somit von Grund auf Potenzial."

2019 Frank Maier
Frank Maier

"Meine eigenen Arbeiten zielen in erster Linie nicht auf das Muster, die stimmige Komposition ab. Sie besprechen vielmehr eine haptisch stoffliche, eine real erlebte, eine narrative Ebene. Es werden konkrete Situationen und Motive auf den Bildern verhandelt. Malerei als eine spezielle kulturelle Konstruktion von Realitat. Malerei behandelt meiner Auffassung nach immer ein Segment, einen Ausschnitt aus der Realitat der personlichen Wahrnehmung, die zwangslaufig der eigenen Herkunft und den eigenen Produktionsbedingungen und der Fokussierung, dem eigenen Interessen- und Entscheidungsbereich Rechnung tragt. Ob Malerei sich abstrakt oder gegenstandlich äussert, ist dabei unerheblich.
Die Beschaftigung mit Malerei, als künstlerisches Medium, brachte mich in den letzten Jahren zunehmend stärker weg vom Bild als ruhendes, kontemplatives Gegenüber, hin zum erzählenden, berichtenden, bewegten Gegenüber. Die körperliche Präsenz des Bildes gegenüber der Betrachterin, dem Betrachter hat sich erhalten. Keine der Arbeiten befindet sich auf einem Keilrahmen, alle Leinwande sind über speziell für die Arbeiten gebaute schmale Kisten gezogen, membranartig. Sie werden gehalten und umfasst von Rahmenleisten, die den Abstand der jeweiligen schmalen Kiste zur Wand, das körperliche Hervortreten der Arbeit, noch unterstreichen. Aber in erster Linie geht es natürlich um das Bild, die Malerei. Und diese eben rückt immer mehr konkrete Motive und Szenen in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit. Oft auch nur fragmentarisch, aber immer die Anordnung auf dem Bild bestimmend. So ordnen sich die vermeintlich freien, abstrakten Elemente nicht einer freien Komposition unter, sondern der im Titel des Bildes nachvollziehbaren szenischen, oder einem Motiv geschuldeter Struktur. Die Dynamik, die sich ergibt, einerseits durch die freie Assoziation der Formen, im Gegensatz zu ihrer festgelegten Rolle im Bild, die ich ihnen zuschreibe um den Bezug zum Motiv zu erzeugen, macht das Anschauen der Bilder zu einem der Membran-Metapher sehr nahen- Vorgang." (Frank Maier)

gefördert durch: Logo Essen Kulturbüro

Woraus wird Morgen gemacht sein?" - Bauhaus im Kunsthaus

Ausstellungsdauer: 8.9. - 13.10.2019 | Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 15 - 18 Uhr
Eröffnung: Sonntag, 8.9.2019, 16 Uhr | Einführung: Dr. Uwe Schramm

2019 Bauhaus Foto Lena Roord

Im Fokus des Projektes steht die zukunftsträchtige Frage nach zeitgemäßer Bildung, die an der Schnittstelle von Schule, Universität und kulturellen Institutionen diskutiert werden soll. Mit einer Ausstellung im Kunsthaus Essen werden die vielfältigen Prozesse der transdisziplinären Debatte öffentlich präsentiert. Als Botschafter einer lebendigen Wissenschaft werden Essener Schüler*innen in ihrem Unterricht zu einer Zeitreise in das Gründungsjahr des Bauhaus eingeladen. Im Rückblick auf diese Umbruchzeit soll die Frage nach der Gestaltung unseres Morgens von den Schüler*innen selbst diskutiert und mit künstlerischen Ansätzen weitreichend ausgelotet werden. Begleitet werden sie von Studierenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Universität Duisburg-Essen. Die entstehenden Prozesse werden in einer Filmdokumentation festgehalten, die neben ausgewählten Arbeiten in der Ausstellung zu sehen sein wird.

 

Cinque Stagioni
Max Frintrop, Leunora Salihu, Benjamin Houlihan,
Thomas Arnolds, Stefan Löffelhardt

Ausstellungsdauer: 16.6. - 21.7.2019 | Eröffnung: Sonntag, 16.6.2019, 16 Uhr | Einführung: Dr. Uwe Schramm

2019 Frintrop
Max Frintrop

In seinen Bildern entwickelt Max Frintrop verschachtelte Dimensionen farblicher Tiefenwirkungen und erzeugt unerwartete Gegenüberstellungen von Oberflächen und Formen. Dabei sind seine Arbeiten mit vielen Skizzen geplant, bestehen aber immer auf einer Malerei der Ästhetik des Spontanen.

2019 Salihu
Leunora Salihu

Die 1977 im Kosovo geborene Leunora Salihu hat sich als Bildhauerin eine unverwechselbare künstlerische Sprache erarbeitet. Im Bewusstsein von Gegenwart beschäftigen die Künstlerin ganz elementare Themen der Bildhauerei wie konstruktive und organische Bauweisen, Bewegung in der statischen Form, die Auseinandersetzung mit Innen und Außen, Raum und Umraum sowie die Skulptur-Sockel-Problematik. Die skulpturalen Formen von Leunora Salihu basieren auf einem Prinzip von modularen Bauweisen aus manuell gefertigten Elementen. Dabei sind die Wahl der Materialien mit ihren spezifischen Eigenschaften und Prozessen und die Art und Weise der Bearbeitung untrennbar mit der Ausdrucksqualität der Skulptur verbunden. Die Bildhauerin sucht etwas Überzeitliches in Form und Material gepaart mit zeitlichen Aspekten der Bewegung. Es reizt sie, solche Gegensätze in einem klaren Bild zu verdichten. Gerade in einer von virtueller Welt und industrieller Massenproduktion geprägten Zeit ist für Leunora Salihu die Entscheidung, handwerklich mit Material zu arbeiten, wichtig und bedeutsam.

2019 Houlihan 1
Benjamin Houlihan

Immer geht es Benjamin Houlihan um eine Reflexion, was Malerei, was Skulptur, was Zeichnung, was Fotografie letztlich sein kann. Immer auch um die ganz generelle Frage, was ist und was kann Abstraktion? Es entsteht im allerbesten Sinne ein heterogenes „Werk“, eine wundersame Dialektik von Körper und Entkörperung, von Inhalt und Oberfläche.
Impulse für die Formgestaltung seiner Objekte gewinnt Benjamin Houlihan oft aus alltäglichen, eher zufälligen Beobachtungen und neuen Blickwinkeln auf die Materialität und Oberflächenbeschaffenheit von Dingen und Phänomenen. Dabei geht es häufig um Härtegrade, die Materialien und deren Belastbarkeit, Steifigkeit, Volumendichte, Festigkeit und Widerstand definieren. Ein Härtegrad ist flexibel und vom jeweiligen Aggregatzustand abhängig – H2O kann Eis, Wasser oder Dampf sein. Diese Verwandlungen erkunden die Arbeiten von Benjamin Houlihan, zu diesem physikalischen Gedankenspiel lädt er uns ein. Er macht uns zu Mitspielern seiner Formexperimente und eröffnet neue Dimensionen zwischen den Aggregatzuständen. Ausgehend von der Form eines gefundenen Objekts transferiert er dieses in eine neue physische Existenz.
Diese Vorgänge halten Houlihans Arbeiten als „künstlerischen Prozess“ fest. Wie Relikte, Fragmente, die die ursprünglichen Formen nur noch erahnen lassen, die eine Narration vorgeben, ohne die Sprache zu kennen, und zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit neue Durchgangsformen suchen und finden. Insofern sind seine Experimente noch nicht abgeschlossen. Der Aggregatzustand pendelt permanent und anregend, Energie freisetzend zwischen Abstoßung und Anziehung, zwischen Form und Farbe, zwischen Form und Formlosigkeit. Das Faszinierende dieses Prozesses ist, dass Houlihans Arbeiten in ihrem neuen Umfeld als individuelle Formkörper und autonome Objekte bestehen. Sie sind als Ganze bruchstückhaft lebendig oder zumindest organisch wachsend anwesend.
(Gregor Jansen)

2019 arnolds
Thomas Arnolds

Thomas Arnolds lotet in seinen Werken zentrale Fragen der Malerei aus und spielt dabei mit Prinzipien der Wiederholung und Varianz, der Reduktion und Redundanz, der Akkumulation und Konzentration. Verwischungen und fein gemalte Partien stehen oftmals duktuslastigen Setzungen gegenüber. Materialität, Fläche und Struktur erweisen sich als vorherrschende Parameter in Arnolds Untersuchung malerischer Prozesse. Während er durch pastosen Farbauftrag einerseits Plastizität kreiert, negiert er bei seinen zweidimensional ausgeführten Ölbildern andererseits die Zentralperspektive und somit die räumliche Darstellung. Arnolds begreift Malerei immer auch als Ort der Konfrontation.
Nachdem der Künstler malerische Belange in seinen Anfangsjahren anhand der Grundfarben Rot, Gelb und Blau ergründete, wie seine Küchenbilder exemplifizieren, erweiterte er schließlich seine Farbpalette und erprobte diese zudem anhand monochromer Werke, darunter in Reinweiß, Hautfarben oder Blau. Aspekte der Farbsymbolik interessieren ihn ebenso wie metaphysische Phänomene. Arnolds zeigt gleichzeitig eine Bandbreite an Motiven, die neben Interieurs, Alltagsgegenständen oder Bonsai-Arrangements architektonische Sujets umfasst, ob in Form von Klinkerexpressionismus oder Säulenbasen, wie sie auf die klassischen Säulenordnungen und ihre klassizistischen Rückbezüge verweisen und in ihrer künstlerischen Neuinterpretation Momente der Beugung, Biegung und Dehnung spürbar machen. Fest steht: Arnolds entwirft in seiner malerischen Auseinandersetzung mit Natur, Kultur und Architektur einen ganz eigenen Bildbauplan.
(Nadine Seligmann)

2019 loeffelhardt
Stefan Löffelhardt

Während Stefan Löffelhardts erste Zeichnungen nach Wolkenskizzen entstanden, also auf die Außenwelt Bezug nahmen, erscheint in seinen neueren Arbeiten eine Art innere Landschaft, ohne konkreten Gegenstand und ohne Maßstab.
„Ich taste mich sozusagen langsam in eine ungesehene Landschaft hinein, in einer Art von Tagtraum", beschreibt Löffelhardt sein künstlerisches Vorgehen. "Dabei wende ich den Blick von außen nach innen. Da ist ein Zerfließen von Gedanken und Gemütszuständen, Strukturen, die sich in landschaftlichen Formationen zeigen, die ich notiere. Möglicherweise finde ich hier im eigensten Innern etwas, das über das Persönliche hinaus geht, im Sinne einer universellen Sprache, zu der jeder Zugang hat, als Möglichkeit zu einem nicht hierarchischen, weil von Zwecken befreiten Gespräch. Auf dem Grund der Seele liegt etwas Verbindendes, dessen landschaftlichen Strukturen ich mit dem Stift nachspüre."

Die Ausstellung wird gefördert durch:

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und die Bezirksvertretung II der Stadt Essen

 

Renate Neuser: Skulptur

Ausstellungsdauer: 7.4. - 12.5.2019 | Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 15-18 Uhr
Ausstellungseröffnung: Sonntag, 7.4.2019, 16 Uhr | Einführung: Dr. Uwe Schramm

2019 neuser

Renate Neuser ist Sammlerin, Forscherin, Reisende in unbekannte Gefilde, Zauberin, Visionärin und Entdeckerin. Sie selbst sagt über ihre künstlerische Arbeit, sie wolle das Ungewöhnliche, Schöne, Hässliche, Geheimnisvolle und Sinnliche von Material zum Klingen bringen. Ihr Atelier ist zugleich Hort aller erdenklichen Fundstücke, ein Zaubergarten skurriler Bewohner und zugleich naturwissenschaftliches Laboratorium, ein Ort für Experimente und Werkstatt für nie versiegende gestalterische Impulse. Hier entstehen Objekte, Zeichnungen und Installationen, welche die Betrachter in eine fremde Welt entführen, die komisch sind, einen stillen Humor in sich tragen und zugleich beängstigend, phantasievoll und zuweilen nüchtern-wissenschaftlich anmuten. Die Arbeiten lassen Elemente aus Fauna und Flora aufscheinen, Wiedererkennbares, verfremdete Fragmente unserer Alltagswelt, gespeist aus dem Inventar eines Baumarktes, aus Haushalt, bunter Spielzeugwelt und Comicliteratur. Aus diesen Materialien entsteht ein merkwürdiger Kosmos von Lebewesen, die zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit oszillieren. Das Spektrum reicht dabei von zauberhaft zarten botanischen Zeichnungen bis hin zu schrillen, in knalligen Farben gehaltene Objekte. Mimesis und Neuerfindung entfalten eine hybride, verschlungene Tier- und Pflanzenwelt, deren seltsam verstiegen anmutende Existenz sich auch in den Titeln der Arbeiten wiederspiegelt. Renate Neusers Gebilde tragen klingende Namen wie „Butonia“, „blingbling“, „Flugqualle“ oder Phantasiebezeichnungen wie „Corallus Manus“, um damit einen eigenen Kosmos aus Objekten und deren Bezeichnung zu kreieren. Immer wieder finden sich im Werk der Künstlerin Fundstücke banaler Art und Herkunft wie etwa hölzerne Stühle, Kommoden und Tischchen, die zu Sockeln oder Behältnisse für ihre skurrilen, phantastischen Gestaltungen umfunktioniert werden. Im Zuge eines künstlerischen Transformationsprozesses entstehen aus alltäglichen Kunststofferzeugnissen, Glasformen und Produkten des täglichen Gebrauchs Wesen von eigentümlich fremder, faszinierender Schönheit, die ihre Herkunft verschleiern und aus einer anderen Welt an die Oberfläche des Sichtbaren gelangt zu sein scheinen. Gebilde, mit denen die ungreifbaren inneren Welten fremder Existenzen zur sichtbaren Form gerinnen. Es ist der spielerische Umgang mit unterschiedlichen Materialien und deren Funktionen, welcher der Künstlerin den Weg hin zur letztgültigen Gestaltung weist. Die Materialien erleben handwerkliche Veränderungsprozesse, werden umgedeutet, aus ihren gewohnten Funktionszusammenhängen herausgelöst und derart miteinander kombiniert, dass daraus neue Wesenheiten entstehen. Es sind erdachte Lebewesen, entsprungen aus erdachten Welten, aus Welten, die dennoch in Kontakt zu unserer eigenen Lebenswirklichkeit stehen, zur Wirklichkeit des Traumes, der verborgenen Ängste und Emotionen, der Tagträume und überreizten nächtlichen Schlaflosigkeit. (Carola Schneider / Uwe Schramm)

Peter Puklus: The Epic Love Story of a Warrior

Ausstellungsdauer: 7.4. - 12.5.2019 | Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 15-18 Uhr
(Karfreitag u. Ostersonntag geschlossen)
Eröffnung: Sonntag, 7.4.2019, 16 Uhr | Einführung: Dr. Uwe Schramm

2019 Puklus

„Tools are there to serve your ideas. I want to use the most perfect tool to express what I want to say, and if it’s dancing I will dance.“ (Peter Puklus)

Peter Puklus (geb. 1980 in Kolozsvár) lebt und arbeitet in Budapest, Ungarn.
Er studierte an der Moholy-Nagy Universität für Kunst und Design (MOME) in Budapest und New Media Design an der École National Supérieur de Création Industrielle (ENSCI) in Paris. Zur Zeit schließt er seine Promotion (Doctor of Liberal Arts, Studies in Photography) an der MOME in Budapest ab.
Der fotografische Blick manifestiert sich in allen Arbeiten von Peter Puklus. Allerdings hat er seit neuestem begonnen, das Feld seiner Forschungen zu erweitern. Es interessiert ihn zunehmend auch im Ausstellungskontext das Zustandekommen von fotografischen Motiven zu thematisieren, zu dokumentieren und mit Artefakten zu demonstrieren. (...) Ganz gleich ob im Ausstellungsraum oder in Buchform, „storytelling has a substanial role“ (Peter Puklus).

Ausgangspunkt sind oft banale Objekte und Situationen des Alltags, die ihre eigentliche Funktion im Prozess der Visualisierung transzendieren und so neue Bedeutung erlangen. Denn Peter Puklus arrangiert Gegenstände immer wieder neu, setzt sie in Beziehung und fügt eigene Assoziationen hinzu. Seine Bildserien sind Studien, Skizzenbuch und Erkenntnisreise zugleich, die formale Grenzen sprengen und den fotografischen Raum radikal erweitern. Sie folgen einem ganz eigenen Rhythmus und Muster – befreit von jeglicher Konvention, Chronologie oder logischer Abfolge.
2012 veröffentlichte er zwei Künstlerbücher, ‘One and a half Meter" und "Handbook to the Stars‘. Sein drittes Buch ‘The Epic Love Story of a Warrior‘ erschien 2016. (Galerie Conrads)

 

Leetspeak
Florian Fausch und Janosch Jauch

Ausstellungsdauer: 27.1. - 3.3.2019 | Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 15-18 Uhr
Ausstellungseröffnung: Sonntag, 27.1.2019, 16 Uhr | Einführung: Dr. Uwe Schramm

2019 Janosch Jauch
Janosch Jauch

Malerei, Collage, Fotogramm, sind nur einige Bezeichnungen, mit welchen man Janosch Jauchs Arbeiten umreissen könnte - man würde ihnen damit jedoch nicht gerecht. Vielmehr muss man ihnen zugestehen, dass sie aus einem Konglomerat aus verschiedenen miteinander verwobenen Techniken und Genres ein homogenes Werk ergeben, welches sich auf Leinwand präsentiert, aber eben nicht nur als Malerei bezeichnet werden kann.
Der Anfang eines jeden Werkes bildet eine Installation.Hier überdecken Palmblätter Skulpturen aus derben, dachlattenartigen, grob zusammengebrachten Holzstücken, amorphe Tonplastiken überschneiden sich mit Überbleibseln industriell gefertigter Zeugnisse unserer westlichen Zivilisation, mittendrin und halb verdeckt immer wieder Blüten und Blätter. Installationen, die durch die Einfassung mit Spiegeln zu Bühnen werden, auf denen sich allumsichtig ein Gewirr aus starr und beweglich wirkenden Formen präsentiert und darstellt. Diese Bühnen werden durch Fotografie ihrer tatsächlichen Mehrdimensionalität beraubt und digital bearbeitet. Im Zuge der digitalen Bearbeitung werden Striche, Linien und Zeichnungen eingewebt in das Geschehen der Bühne. Zeitgleich entstehen großformatige Leinwände, zum Teil aus verschiedenen Materialien zusammengesetzt, zum Teil aus gleichen Stoffen. Ihnen gemeinsam sind jedoch die Nähte, die manchmal fein und grazil wie filigrane Zeichnungen erscheinen, dann wiederum wie klaffende Wunden, um den an sich ebenen Fläche Höhen und Tiefen zu verleihen.
Dabei erzeugt erst die Zusammenführung von fotografischem Abbild der Installationen, digitalem Eingriff und physischer Oberfläche mit Hilfe einer fotografischen Silberemulsion die eigentliche Arbeit. Die Überlagerungen von Formen und künstlerischen Techniken münden in einer Symbiose aus all diesen Produktionsschritten und damit in ein Werk, dass vermöge seiner verschieden Formen und Materialien als ein komplexer Bildkörper erscheint.
Janosch Jauch Intention besteht darin, ein homogenes Werk zu erschaffen, das alle ihm enthaltenen Teilbereiche gleichwertig und ohne Unterschiede behandelt. Am Ende steht eine freie und uneingeschränkte Kommunikation zwischen Werk und Betrachter im Mittelpunkt der künstlerischen Vorgehensweise. (Text: F. Schulz-Pietsch)

2019 Florian Fausch
Florian Fausch

Florian Fauschs Bilder sind utopische Architekturlandschaften, deren Regeln nach eigenen Gesetzmäßigkeiten funktionieren; es sind Orte und Nicht-Orte zugleich, die um den Begriff des Bildes kreisen. Klar umrissene scharfe Linien definieren architektonische Elemente, die sich wiederum in ungegenständlichen Motiven verlieren. So entsteht eine Gleichzeitigkeit verschiedener Ebenen und Malweisen. Die kantigen Formen erinnern an die Schnitttechniken von Collagen oder Schablonen, die für geometrische Kompositionen genutzt werden.
Seine Malerei bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Abstraktion und Figuration. Fausch, der während seines Studiums noch gegenständliche Landschaftsbilder malte, löste im Verlauf seiner künstlerischen Entwicklung die Wiedererkennbarkeit seiner Themen mehr und mehr auf, ohne sie allerdings je ganz zu negieren. Am Anfang eines jeden Bildes steht das konkrete Gerüst in Form einer Fotografie, sei es aus dem Fundus des Künstlers, dem Internet, aus einer Illustrierten, einem Computerspiel oder ähnlichem. Als ein Mensch, der wie selbstverständlich mit den neuen Medien aufgewachsen ist, bedient sich Florian Fausch bei der Motivsuche der allgegenwärtigen Bilderflut. Zeichnend kombiniert er die Anregungen aus der Welt der Print- und Internetmedien mit seinen eigenen Ideen. Die Zeichnungen fungieren Fausch als eine Form und Möglichkeit, Gedanken zu formulieren und festzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt und noch intensiver während des Malprozesses lässt er den Gedanken und Motiven freien Lauf, lässt zu und forciert überdies, dass sie sich verselbständigen. Betrachtet man die Bilder aus einer gewissen Distanz heraus, entdeckt man in ihnen fast so etwas wie eine gemalte Collage oder eine collagierte Bildererzählung, die uns Realität in ihrer Vielfältigkeit widerspiegelt. Immer aber spielt die entstandene Bildwelt mehr mit der Erinnerung an die Realität als mit der Realität selbst.
Bei Florian Fausch wird die Architektur zur Abstraktion der Farbe. Räumlichkeit und Tiefenwirkung entstehen aus dem bewussten Einsatz einer ungewöhnlichen, kontrastierend-leuchtenden Farbpalette, aber auch durch die besondere Malweise. Er trägt die Ölfarbe in dünnen, transparenten Lagen übereinander auf, so dass die unterschiedlichen Bildschichten wahrnehmbar werden. An gewissen Stellen schimmert die Leinwand noch durch und lässt einen Blick auf den Malgrund zu. Durch die Farbschichten mit ihren Leerstellen wird das Bild in seiner Körperlichkeit fassbar. Gleichzeitig gelingt es dem Maler, mit dem Bildaufbau eine illusionistische Wirkung zu erzeugen, so dass sich tatsächlicher und vorgetäuschter Raum begegnen. Seine Kompositionen zeugen von einem spezifischen Interesse für die Randzonen der Malerei. (Der Text greift zurück auf die Rede von Katrin Weilemann zur Eröffnung der Ausstellung "Räumliche Utopien" im Kunstverein Offenburg)

 

Gerda Schlembach - Aus dem Schwarz

Ausstellungsdauer: 18.11. - 16.12.2018
Eröffnung: Sonntag, 18.11.2018, 16 Uhr | Einführung: Dr. Uwe Schramm

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Mit der aktuellen Ausstellung zeigt das Kunsthaus Essen eine Reihe von Arbeiten der im Januar dieses Jahres viel zu früh verstorbenen Künstlerin Gerda Schlembach.

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Gerda Schlembach war seit 1987 aktives Mitglied des Kunsthauses Essen und hat wesentlich dazu beigetragen, dass das Künstlerstipendium "Junge Kunst in Essen" im Programm des Kunsthauses einen festen Platz erhielt.
Darüber hinaus zählte Gerda Schlembach zu den wichtigsten künstlerischen Stimmen der Stadt und als Hochschulprofessorin zu den pädagogisch bedeutsamen Kunstvermittlerinnen.

Die Ausstellung führt Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen der Künstlerin zusammen und präsentiert in einer von Hendrik Häfel umsichtig konzipierten Schau eine Reihe von künstlerischen Werken, die sich nachhaltig durch ihre ungebrochene Aktualität und Bedeutung auszeichnen.

 

Between the Lines

9.9. - 14.10.2018 | Sven Dirkmann, Sebastian Bartel, Anna Weber, Angelika J. Trojnarski
Eröffnung: Sonntag, 9.9.2018, 16 Uhr | Einführung: Dr. Uwe Schramm

2018 bartel
Sebastian Bartel

Sebastian Bartel beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit mit den konstitutiven Aspekten und immanenten Eigenheiten von Bildern. Fotografisches Bildmaterial, schematische Modelle und Repräsentationsmuster aus wissenschaftlichen Kontexten bilden den Ausgangspunkt für die ästhetische Auseinandersetzung. Mit unterschiedlichen grafischen und malerischen Verfahren werden diese Motive und Themen in eine künstlerische Formensprache überführt. Das installative Arrangement verschiedener Arbeiten im Ausstellungskontext verweist bewusst auf Präsentationsformen in wissenschaftlichen Museen und Institutionen. Abstrakte und geometrische Farbfelder auf der Wand funktionieren einerseits als gestaltete Flächen mit Bildcharakter, andererseits als formale Strukturierung, die kausale Zusammenhänge veranschaulicht und behauptet. Die Installationen thematisieren die Repräsentation und Konstruktion von Wirklichkeiten in Bezugnahme auf Wissen generierende Bilder und vermitteln dabei die Möglichkeit multipler Wahrheiten.

2018 trojnarski
Angelika J. Trojnarski

Angelika J. Trojnarskis Interesse gilt dem Bereich der Naturwissenschaft, die nach ihrer Wahrnehmung starke Parallelen zur Kunst aufzuweisen hat. Forscher sind Künstler und Künstler sind Forscher.
Ihre künstlerische Arbeit folgt dem Anspruch, die Welt in ihrem Zusammenhang zu erkennen und zu erforschen, sie zu verstehen und sie mit den eigenen künstlerischen Mitteln und Möglichkeiten zu beschreiben. Während Naturwissenschaftler primär mit den Mitteln der Mathematik kommunizieren und sich über sie verständigen, besteht die Sprache von Angelika J. Trojnarski aus Formen, Farben und verschiedene Materialien. Künstler und Wissenschaftler sind Seismographen, die kaum wahrnehmbare Verschiebungen und Erschütterungen in ihrer Umgebung aufnehmen, dokumentieren und in bestimmte Zusammenhänge setzen. Ihre Forschung basiert beiderseitig auf der Durchdringung und Reflexion komplexer Fragestellungen.
Wenngleich die Ergebnisse der dabei jeweils zugrunde liegenden Arbeitsprozesse prinzipiell verschieden ausfallen, sind deren Entstehungsweisen bei der Suche nach grundlegenden Antworten auf elementare Fragestellungen in beiden Fällen durch eine kreative Arbeitsweise geprägt.
Trojnarskis Werke loten die Grenzen zwischen den beiden Schaffensfeldern tiefgreifend aus und öffnen sich damit sowohl einer künstlerischen als auch wissenschaftlich orientierten Lesart.

2018 weber
Anna Weber

Zwei Stühle unter einer Decke. Mehr bedarf es nicht um in kindlicher Wahrnehmung eine ganze eigene Welt zu erschaffen. Einen sicheren Ort an welchem alles erlaubt sein kann und wo vor allem der Phantasie keine Grenzen gesetzt werden.
Jedes Kind baut sich Buden, jeder Mensch hat Erinnerungen an diese ursprüngliche Freude und Freiheit. Seit einigen Jahren zeigt sich Anna Weber fasziniert von diesem Phänomen.
Ihre "Buden-Bilder" sind utopische Visionen und Kindheitserinnerungen zugleich. Farbflecken und Formen werden zu Gegenständen. Persönliche Elemente werden eingebunden ohne zu personifizieren. Die Abstraktion gelangt als formales Mittel zum Einsatz, um der Phantasie des Betrachters ihre Freiheit zu lassen und sie anzuregen.
Jeder soll das sehen dürfen was seine eigene Kreativität ihm zeigt. Ein Ausflug aus dem Alltag des Erwachsenseins heraus und hinein in die Welt der Erinnerungen und der Freude, Vergangenheit und Zukunft zugleich. Farben und Formen ergeben verspielte Räumlichkeiten, welche ohne architektonische Logik dennoch wie selbstverständlich existieren. Ein eigentlich starker Stützpfeiler wird zu einer filigranen Linie und hält dennoch ein riesiges Konstrukt. Die Kraft der Farben und die Phantasie hält die Buden zusammen und lässt sie Realität werden.
Die Farben und die Technik der Malerei sind verspielt. Acryl und Lack mischen sich mit verschiedensten Farbmaterialien. Die Sprühdose zieht großflächige spontane Linien. Es entsteht Energie.

2018 dirkmann
Sven Dirkmann

Sven Dirkmann setzt sich in seinen künstlerischen Arbeiten mit Thema Raum auseinander. In Form von Collagen, welche an utopische und dystopische Szenarien erinnern, entstehen fiktionale Raumgegebenheiten, mit denen sich die Suche nach Gemeinsamkeiten und Überschneidungen verschiedener Bildelemente manifestiert. Durch die Zusammenfügung einzelner Bildelemente entstehen neue Räume, die auf den ersten Blick nicht klar erfasst werden können, sich mit zunehmender Betrachtungsdauer jedoch mehr und mehr erschließen.
Mit seinen Objekten und installativen Arbeiten hinterfragt der Künstler die von vorhandenen Räumen und Architekturen gegebenen Vorgaben. Dirkmann nimmt sie gewissermaßen als Anlaufpunkt, führt sie weiter oder spielt gegen sie. Brauchbarkeit, Funktion und Nutzen von vorgegebenen Strukturen werden dabei ironisch gebrochen, verändert und damit ins Absurde geführt.

Gefördert durch:
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I´ll be your Mirror

10.6. - 15.7.2018 | Julia Adelgren, Charlotte Frevel, Stephan Fritsch
Eröffnung: Sonntag, 10.6.2018, 16 Uhr | Einführung: Dr. Uwe Schramm

2018 mirror

Wie nur wenige Gattungen innerhalb der zeitgenössischen Kunstlandschaft sieht sich die figurative Malerei in der öffentlichen Wahrnehmung beständig mit Vorurteilen, Klischees und Fehlinterpretationen konfrontiert. Figurativer Malerei wird gern und häufig eine Relevanz im Hinblick auf die Verarbeitung aktuellen Tagesgeschehens abgesprochen und mangelndes mediales Innovationspotenzial unterstellt. Gern auch wird bestritten, dass sie eine visionäre Kraft bei der Suche nach dem Zukunftspotenzial künstlerischer Ausdrucksideen besitzt. Statt dessen interpretiert man ihr Erscheinen als hoffnungslos traditionsbehaftet, rückwärtsgewandt oder unrettbar mit den bekannten Preziosen der Kunstgeschichte verhaftet.
Dem entsprechend fällt die Präsenz der figurativen Malerei im Ausbildungs- und Wertesystem der Kunsthochschulen und -akademien vergleichsweise sparsam aus. Das ist bei den alljährlichen Rundgängen deutlich zu beobachten. Zeitgleich wird das System Kunst hartnäckig von mehr oder weniger gelungenen Beispielen malerischer Selbstzitate, von risikofreien Bildnereien aus Flächen, Farben und Formen sowie selbstgenügsamen Materialexperimenten überschwemmt. Dieser Art des Zugriffs auf die materiellen Erscheinungsformen der aktuellen Lebenswirklichkeit scheint in den Augen vieler vermeintlich besser geeignet, die Malerei in die Zukunft zu führen und dauerhafter ihr Überleben, ihre ungebrochene Relevanz und ihren stabilen Marktwert zu sichern.
Die Ausstellung im Kunsthaus Essen führt drei Positionen figurativer Malerei zusammen, die jede auf ihre besondere, bemerkenswerte Weise das individuelle Entwicklungspotenzial sowie den ungebrochenen Aktualitätsbezug dieser Gattung in Erscheinung treten lässt. Dabei offenbaren alle Arbeiten erst auf den zweiten Blick ein gewissermaßen subversives, hintergründiges und von leisen ironischen Brechungen durchzogenes Ausdruckspotenzial, das sich unter der Patina der vermeintlichen figurativen Eindeutigkeit und einer zuweilen mit klassischem Material und Technik inszenierten Oberfläche verbirgt.
Neben künstlerischen Inspirationsquellen finden diese Bilder Anregungen in den zahllosen mit gegenwärtigem Zeitbezug unterlegten Bildquellen des täglichen Gebrauchs. Sie zeigen sich ebenso inspiriert von der Sprache und den inszenatorischen Stilmitteln des Films wie von fotografischen Fundstücken mit mehr oder weniger engem biographischen Bezug zu deren Urhebern. Sie greifen zurück auf kunsthistorisch erschlossene Bildarchive, auf private Erlebnisse und Beobachtungen, lassen sich inspirieren durch zeitgenössische Songtexte und zeigen überdies wenig Berührungsängste bei der Überführung von literarischen Texten in eine höchst individuelle, mit malerischen Mitteln geformten Bildsprache. Diese lebt in allen Fällen von Überzeichnungen der motivischen Eindeutigkeit bis hin zu manieristischen Übersteigerungen, aber auch von der Zusammenführung digitaler und malerischer Gestaltungsansätze sowie von einem intermedialen künstlerischen Zugriff über die jeweiligen Bild-Gattungen und Grenzen hinweg.
Am Ende wird sichtbar, dass alle in der Ausstellung vertretenen Arbeiten - trotz der Individualität und Unterschiedlichkeit ihrer künstlerischen Ansätze – die gemeinsame Zielsetzung eint, auch und gerade mit den Mitteln des Figurativen die Selbstbefragung und Auslotung des Mediums Malerei intensiv zu betreiben und deren Bezugspunkte zu gegenwärtigen künstlerischen, gesellschaftlichen und repräsentativen Kontexten zu reflektieren.

2018 Julia Adelgren

Julia Adelgren

Julia Adelgrens Malerei ist geprägt von der Suche nach dem authentischen Ich. Ihre stillen, figurativen Bildwelten reflektieren den ihr eigenen inneren Kosmos an Ideen, Gefühlen und Erfahrungen, aber auch ihre zwischen Düsternis und Poesie schwankende Wahrnehmung der Außenwelt. In ihren motivisch wie atmosphärisch dichten Bildern finden das Innen wie das Außen ein Echo, dessen malerische Gestik und figurative Ordnung sowohl über die Herkunft der Motive Auskunft geben als auch Rückschlüsse auf individuelle Mechanismen der Wahrnehmung zulassen.
Julia Adelgren ist eine Sammlerin. Ihr individuelles Archiv führt Bilder unterschiedlicher Herkunft und Bedeutung zusammen. Ausgewählte Filmstills stehen hier neben Fotografien, die die Künstlerin selbst in der Natur oder in Museen angefertigt hat; Bildfunde aus dem Internet gesellen sich zu Buch-Abbildungen; kunsthistorische Dokumente vergangener Epochen begegnen künstlerischen Manifestationen der Gegenwart; Erinnerungen, verinnerlichte Momentaufnahmen von Textzeilen literarischen Ursprungs finden sich unmittelbar neben in der Natur beobachteten Wachstumsformen oder Licht- und Schattenspielen einer Landschaft. Darüber hinaus archiviert die Künstlerin mehr oder weniger bewusst Fundstücke aus literarischen Quellen oder Textzeilen aus Songs der Popkultur.
Julia Adelgrens Bilder dokumentieren die Möglichkeiten von Malerei, eine Brücke von der Tradition in die Jetztzeit zu schlagen, um damit die Aktualität dieses künstlerischen Ausdrucksmediums immer wieder neu und eindrucksvoll unter Beweis zu stellen.

2018 Charlotte Frevel

Charlotte Frevel

Die Malerei von Charlotte Frevel beruht auf einem komplexen Entstehungsprozess. Ausgangspunkt ihrer Bilder ist jeweils eine Auswahl von Fotografien aus eigenen, biographisch gewachsenen Beständen, Flohmarktfunden, Fotoblogs und computersynthetischen Bilddokumenten, die zunächst in Form einer digitalen Collage zusammengeführt werden. Diese wird mittels spezieller Computerprogramme wiederum bearbeitet und verfremdet, um am Ende die Grundlage für eine Malerei zu liefern, die häufig ein scheinbar privates, ungebrochenes und glückliches Idyll inszeniert.
So wird eine Vielzahl von Bildern in einem Wechselspiel von digitaler und malerischer Überarbeitung zu einer stereotypen Szene privaten Glücks verdichtet, die den Betrachtern seltsam bekannt und vertraut erscheint. Die spezifischen Charakteristika der Fotografie und der digitalen Fotobearbeitung wie Unschärfe, Doppel- und Überbelichtung werden in Malerei übertragen und übersteigert. Die Bilder werden damit entindividualisiert und ihrer konkreten Kontextualität enthoben, womit sich inhaltliche Leerstellen ergeben, die von den Betrachtern mit individuellen Erinnerungen und Assoziationen gefüllt werden können.
Viele dieser Arbeiten vermitteln auf den ersten Blick eine harmonische und friedvolle Erscheinung und erschaffen durch das homogen wirkende Zusammensein von Mensch und Umgebung einen sorglosen und von Idylle getragenen Eindruck. Bei näherer Betrachtung wird dieser jedoch abrupt unterbochen, der veremeintliche Wiedererkennungseffekt von Störungen durchzogen. Die Materialität der Farbe, glänzend und in einer pastosen Schicht aufgetragen, scheint sich beständig in zähem Fluss zu befinden und die dargestellten Szenerien optisch langsam zu deformieren. Im Zuge der Betrachtung zersetzt sich die vormals wahrgenommene Idylle. Unter den malerischen, zuweilen intransparenten Farbstrukturen und -schlieren scheint sich etwas Unheilvolles zu verbergen. Die malerisch inszenierten Situationen entwickeln sich zu Szenarien mit latent wahrnehmbarer apokalyptischer Qualität, die von der Desillusion und Verlorenheit des Individuums zeugt. Der Schein des heilen privaten Glücks, der harmonischen familiären Bindung, der sich im Rahmen alltäglicher Fotografien beliebterweise durch ausschnitthafte Aufnahmen von gemeinsamen Wanderungen, einem Picknick inmitten romatischer Natur oder erholsamen Strandurlauben wiederspiegelt, bekommt so Risse und Sprünge. Familiäre Rollenverständnisse, gesellschaftliche Normen und zwischenmenschliche Verhaltensmuster werden durch Charlotte Frevels Malerei latent und sehr bewusst in Frage gestellt.

2018 Fritsch

Stephan Fritsch

I actually don’t know – der Titel, des großformatigen Gemäldes bleibt auf eigentümliche Weise rätselhaft und trägt wenig zur Klärung bei. Zu sehen ist ein Junge, der mit geschlossenen Augen und weit ausgebreiteten Armen allein vor einer Wand steht. Die Hände sind wie bei einer Andacht oder einem Gebet nach oben gerichtet. Irritierend ist an dieser nach Innen gekehrten Haltung nicht allein das Kostüm, mit dem der Junge in ein Skelett verwandelt wird, sondern auch sein golden eingefärbtes Gesicht. Handelt es sich um eine malerische Setzung, mit der die Szenerie dem Alltag enthoben wird oder ist es die getreue Übertragung einer fotografischen Bildvorlage?
Mit gradliniger Konsequenz und handwerklicher Präzision entwickelt Fritsch eine figurative Malerei, wie sie in der zeitgenössischen Kunst nur noch selten anzutreffen ist. Bezüge zum phantastischen Realismus und entfernt auch zum Werk von Otto Dix lassen sich herstellen, doch hat er einen ganz eigenständigen Stil entwickelt, der skurrile Bildideen mit Alltagsszenen verbindet. Auffallend ist die lebendige Vielfalt des Farbauftrags. Lasierende Schichten und pastose Bereiche in den sich gleichermaßen, wie durchscheinende Vorzeichnungen und naturalistisch ausgearbeitete Details.
Die Bildwelten von Stephan Fritsch zeichnen sich durch bewusst gesetzte Irritationen und Kontraste aus. Bisweilen haben sie eine befremdliche, ja surreale Anmutung. Dabei lassen sie sich keinem Genre eindeutig zuordnen. Sie wirken wie aus der Zeit gefallen und haben dennoch eine überraschende Zeitgenossenschaft.
Gemein ist den meisten Bildern ein melancholischer Gehalt.
Sie wirken mitunter wie sprichwörtliche Übertragungen gewisser Gefühlslagen, die jedoch ins Leere laufen. (...) Fritsch lässt sich von der Vielfalt menschlicher Gemütslagen inspirieren, die er in seine Bildwelten integriert und durch gezielte Ergänzungen und Veränderungen in widersprüchliche Ausdrucksformen verwandelt.
Text: Ingo Clauß

 

Lars Rosenbohm

15.4. - 20.5.2018  | Eröffnung: Sonntag, 15.4..2018 um 16 Uhr, Einführung: Dr. Uwe Schramm

2018 Lars Rosenbohm2

Lars Rosenbohm (geb. 1971, lebt und arbeitet im Künstlerhaus Artists Unlimited, Bielefeld) ist vornehmlich Zeichner. Hinzu treten in seinem Werk aber immer wieder auch Ausflüge in die Malerei sowie in die Arbeit mit dem klassischen Medium Collage, das der Künstler auf spezielle Weise zu neuem Leben erweckt.

2018 Lars Rosenbohm1

Lars Rosenbohms Zeichnungen entstehen schnell und spontan. Textfragmente oder Begriffe aus Songs, Zeitungen und Gesprächen wechseln sich ab mit mehr oder weniger erkennbaren Motiven. Rosenbohm deutet an und ruft Erinnerungen hervor. Er interessiert sich für das Zweifeln und das Scheitern im Leben und für die Frage nach dem Sinn. Seine Bilder sind als Versuch einer Antwort zu deuten.
Die Malerei von Lars Rosenbohm ist geprägt von einem kraftvollen Pinselstrich und vehementen Übermalungen. Die Portraits zeigen jedoch vielmehr verzerrte Fratzen als Gesichter. Emotionen wie Angst, Schuld und Scham, aber auch Wut kommen darin zum Ausdruck, als ließen diese Kreaturen zwischen Mensch und Tier etwas an die Oberfläche drängen, das es eigentlich zu verbergen gilt. Der Künstler scheint den ständigen Kampf zwischen triebhaften Bedürfnissen und einer kontrollierenden Instanz zu Papier zu bringen. Als „Portraits des Inneren“ verbildlichen die Arbeiten auf diese Weise einen Konflikt mit dem schuldbeladenen Gewissen, das das eigene Handeln entweder verdrängt oder schamvoll zu unterdrücken versucht.
Ausgehend von seinem gesamten in die Breite gehenden Kunstschaffen beschäftigt sich Rosenbohm speziell mit dem Thema der Maske und seinen Implikationen als Strategie des Verdeckens und somit auch immer des (Nicht-)Zeigens. Eine Tapete aus seinem Archiv aus spontan entstandenen Kohle-Zeichnungen, die egalitär und unkorrigiert als Untergrund dienen, werden von großformatigen, massiven Malereien teilweise verdeckt. Diese performativen Arbeiten, die das permanente Tun und den künstlerischen Schaffensprozess offenlegen sind wiederum aus unterschiedlichen Versatzstücken und Materialien zusammengesetzt. Dabei entstehen diese Collagen zum Teil aus vorhandenen Arbeiten, die nun zum Träger werden können. Rosenbohms Werk lässt das Auge der Betrachter nicht ruhen und entzieht sich tradierten Vorstellungen von der Rezeption von Malerei als kontemplativem Gestus.

 


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